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Bericht

Montag, 21. Mai 2012
Klassik Heute - Hörführer

Das Wesentliche ist die Musik – Marek Janowski zum 70. Geburtstag

Am heutigen Mittwoch, den 18. Februar, feiert Marek Janowski seinen siebzigsten Geburtstag. Er wurde zwar in Warschau geboren, wuchs jedoch in Deutschland auf und ging in Wuppertal zur Schule, einer Stadt aus der so renommierte Dirigenten wie Hans Knappertsbusch, Günter Wand oder Horst Stein stammen.

Sein künstlerischer Weg führte ihn über Aachen, Köln, Düsseldorf und Hamburg (aus dieser Zeit ist der Uraufführungsmitschnitt von Pendereckis erster Oper Die Teufel von Loudun derzeit noch als DVD erhältlich) als GMD nach Freiburg (1973-75) und Dortmund (1975-79). Bereits in diese Zeit fallen erste nationale und internationale Gastspiele sowie die ersten Tonträger, etwa 1976/77 Richard Strauss’ Die schweigsame Frau mit Theo Adam, Jeanette Scovotti und der Staatskapelle Dresden, die von der EMI als Ersatzprogramm für einen lang gehegten Plan mit Carlos Kleiber, eine Studioproduktion des Wozzeck zu verwirklichen entstand, bei der Theo Adam ebenfalls die Titelrolle singen sollte. Marek Janowski
Marek Janowski
Foto: Felix Broede
Ab Ende der Siebziger Jahre folgen zahlreiche Gastauftritte, vor allem als Operndirigent. New York, Wien, Berlin Paris, Chicago, San Francisco, München stehen in seinem Terminkalender. Zwischen 1980 und 1984 wird in Dresden ein Ring produziert, der sich in klanglicher Hinsicht bei Streichern und Blechbläsern um besondere Authenzität bemüht, und wie schon bei Richard Strauss handelt sich um eine äußerst lebendige und differenzierte Interpretation. Parallel zu den Opernauftritten übernimmt Janowski 1984 die Leitung des Orchestre Philharmonique de Radio France, eine Position die er bis 2000 innehatte. Er macht es zum Spitzenorchester der französischen Hauptstadt und setzt mit einer interessanten Programmplanung Akzente. Er ist der erste Dirigent, der in Paris innerhalb einer Saison alle Sinfonien Bruckners aufführt, aber auch Bernd Alois Zimmermann oder Max Reger stehen auf dem Programm. Alle Sinfonien von Albert Roussel werden eingespielt, und zu Mozarts 200. Todestag 1991 erklingt mit Un Souvenir eines der letzten Werke Olivier Messiaens, eine Komposition, die zusammen mit der Turangalila-Sinfonie bei BMG auf CD herauskam.

Künstlerische Kompromisslosigkeit

1986 wird Marek Janowski in Köln Gürzenichkapellmeister und eröffnet mit Zimmermanns Photoptosis und Schumanns Rheinischer in einem Festakt die neu errichtete Philharmonie sowie mit Mahlers Achter Sinfonie das ersten öffentlichen Konzert. Binnen kürzester Zeit macht Janowski das nach Günter Wands Weggang 1974 etwas herunter gekommene Orchester der Stadt Köln zu einem wichtigen Klangkörper der Region, lässt sich aber mit seiner künstlerischen Kompromisslosigkeit nicht durch den berühmten „kölschen Klüngel“ beeinflussen und verlässt die Domstadt bereits am Ende der Saison 1989/90. Immerhin kann er 1988 das hundertjährige Bestehen des Orchesters feiern.

In den Neunziger Jahren verzichtet der Kapellemeister auf weitere Operndirigate, was ihm mehr Zeit für ausgiebige Auftritte als Dirigent im sinfonischen Repertoire gibt mit teilweise mehreren festen Verpflichtungen gleichzeitig: Marek Janowski
Marek Janowski
Foto: Felix Broede
1997-1999 erster Gastdirigent des Deutschen Sinfonieorchesters Berlin, 2000-2005 Musikdirektor des Orchestre Philharmonique de Monte Carlo, 2001-2003, Chefdirigent der Dresdener Philharmonie Seit 2002 ist er Künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, dessen Mitglieder ihm 2008 die Position auf Lebenszeit angetragen haben. Parallel dazu ist er seit 2005 Musikdirektor des Orchestre de La Suisse Romande in Genf, mit dem inzwischen bei Pentatone Classics zwei Einspielungen erschienen sind, die deutlich machen, dass er an die Qualität des Orchestergründers Ernest Ansermet anschließen will. Mit den Sinfonien von César Franck und Vincent d’Indy stellt er die Verbindung zum französischen Repertoire her und mit einer Neunten Sinfonie von Anton Bruckner unterstreicht er die Pflege der klassischen deutsch-österreichischen Tradition, deren Beherrschung der Qualität jeden Orchesters zugute kommt.

Außer Berlin und Genf hat Marek Janowski den „Otto Klemperer Guest Conductor Chair“ beim Pittsburgh Symphony Orchestra inne, mit dem er sich für wenige Wochen im Jahr an dieses traditionsreiche Orchester aus der Industriestadt in Pennsylvania bindet. Im Sinne Klemperers ist es sicherlich, Brahms zu dirigieren. Ebenfalls bei Pentatone Classics sind drei SACDs mit den vier Sinfonien, den Haydn-Variationen und acht Ungarischen Tänzen verfügbar, die im März bzw. November 2007 eingespielt wurden. David Hurwitz, der auf Classics Today, dem amerikanischen Pendant von Klassik heute, die Aufnahmen rezensierte, lobt die perfekte Balance und ideale Tempowahl. Insbesondere bei der vierten Sinfonie, die die Topbenotung 10/10 erhält ist alles „memorable, stylish and chracterfull.“

Bedeutende Aunahmen

Auch in Berlin hat Marek Janowski in den letzten Jahren einige bedeutende Einspielungen vorgelegt. Mit Werken von Paul Hindemith (Die Harmonie der Welt), Karl Amadeus Hartmann (Sinfonia tragica und Konzert für Klavier und Bratsche) sowie einer Hans Werner Henze-CD mit u.a. der Uraufführung von Aristaeus vom 1. Februar 2004, die Auftakt zu einer neuen Gesamteinspielung aller Sinfonien Henzes bei Wergo darstellt, von denen bisher die Sinfonien 7 und 8 (letztere als Weltersteinspielung auf CD) erschienen ist. Hier setzt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Radios entsprechend wichtige Repertoireakzente. Pentatone Classics kündigt die Fortsetzung seines Brahms-Zyklus mit Janowski an. Das Deutsche Requiem wird im kommenden November in Berlin aufgenommen, wobei man sich auf die Beteiligung des hervorragenden Berliner Rundfunchors freuen kann, von dem in letzter zeit mehrere Einspielungen international ausgezeichnet wurden.

Nach einer Tournee mit seinem Berliner Orchester nach Korea und Japan ist Marek Janowski in der kommenden Woche wieder in der Hauptstadt zu hören und ehrt mit zwei Konzerten in der Philharmonie einen anderen Jubilar: Felix Mendelssohn-Bartholdy. Am 24.2. gibt es ein sinfonisches Konzert mit der der Ouvertäre Ruy Blas, dem Violinkonzert in e-Moll (Solistin Isabelle Faust) und der Italienischen Sinfonie. Zwei Tage später, am Donnerstag den 26..2., erklingt dann der Paulus, ein Werk das jahrelang vernachlässigt wurde und jetzt endlich durch Aufführungen und einige Einspielungen rehabilitiert wird. Berlin kann sich demnächst auf ein ganz besonderes Projekt freuen. Marek Janowski präsentiert konzertant zwischen 2010 und 2013 (dem 200. Geburtstag) alle Opern Richard Wagners. Durch diese Form wird das Motto unterstrichen, das sich auf der Internetseite seines Orchesters findet: das Wesentliche ist die Musik.

Aufmerksamer Begleiter

Dies beschreibt vielleicht am besten Janowski Ambitionen als Musiker. Wenngleich seine Laufbahn eine bedeutende internationale Dimension hat und sein Repertoire bei weitem das der deutsch-österreichischen Tradition übersteigt, liegt ihm in erster Linie an Partitur treuem unspektakulärem Musizieren, was gemeinhin als besondere Eigenschaft eines deutschen Kapellmeisters angesehen wird. Nicht umsonst ehrt man ihn in Pittsburgh mit dem „Otto Klemperer Chair“. Klemperer war ein Dirigent, von dem berichtet wird, er habe 1937 innerhalb von nur sechs Wochen dieses Orchester verändert. Ähnliche Fähigkeiten werden Janowski nachgesagt. Innerhalb kürzester Zeit ist er in der Lage, ein Orchester in seinem Sinne zu verändern. Dies betrifft vor allem Stil und Klang, sowie die perfekte Ausbalancierung von Instrumentengruppen und präzise Intonation. Im Dienste der Musik nimmt sich Marek Janowski scheinbar zurück. So ist er auch einer der aufmerksamsten Begleiter, wie man etwa auf der Strauss-Lieder CD mit der finnischen Sopranistin Soile Isokoski bei Ondine hören kann, deren Einspielung der Vier Letzten Lieder zu den bedeutendsten der gewiss nicht schmalen Diskographie dieses Werks zählt. Ich erinnere mich auch an eine besonders intensiven Interpretation des Ersten Violinkonzerts von Dimitri Schostakowitsch im Dezember 1997 in Paris mit dem Geiger Frank Peter Zimmermann, der zu den bis heute zahlreichen, vor allem jungen Musikern zählt, die Janowski im Laufe der Jahre begleitet und gefördert hat. Bei dieser Deutung wurde deutlich, dass ein Orchester im russischen Repertoire ganz anders klingen muss als im deutschen und französischen, aber das Werktreue und echtes Kapellmeistertum eben alles andere als langweilig sein muss. Wir dürfen uns also hoffentlich noch auf viele Konzertereignisse und Einspielungen mit Marek Janowski freuen.

Helmut Schmitz, 18.2.2009

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