Sächsische Staatskapelle Dresden: Die neue Konzertsaison 2026/27
Beethoven-Schwerpunkt - Fortsetzung des Mahler-Zyklus' - Capell-Compositeur Jörg Widmann
Anlässlich des 200. Todestages Ludwig van Beethovens wird die Sächsische Staatskapelle Dresden alle neun Sinfonien des Musikgenies innerhalb von vier Tagen im Frühjahr 2027 musizieren. Zudem wird ein weiterer Zyklus fortgesetzt: Mit dem programmatischen Gedanken »Abschied« wird im dritten Jahr der auf vier Jahre angelegten Mahler-Zyklus fortgeführt. Die dritte programmatische Säule der Spielzeit rückt das musikalische Multitalent Jörg Widmann in den Mittelpunkt, der intensiv Impulse aus der Vergangenheit aufgreift, um die Gegenwart zu beleben. Zudem zelebriert die Staatskapelle Dresden ein außergewöhnliches Jubiläum für einen außergewöhnlichen Dirigenten: Herbert Blomstedt wird in seinem 100. Lebensjahr im Rahmen des 6. Sinfoniekonzerts am Pult der Staatskapelle stehen.
Beethoven im Dialog mit jungen Komponisten von heute
Unter Daniele Gattis Leitung spielt das Orchester insgesamt zweimal sämtliche Sinfonien Beethovens an vier aufeinanderfolgenden Abenden. Dazu hat das Orchester zudem vier junge zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten beauftragt, Dialogstücke zu diesen neun Meilensteinen der Musikliteratur zu schreiben. Die Werke von Jörg Widmann, Riccardo Panfili, Jesús Torres und Clara Iannotta werden zwischen den Sinfonien erklingen.
Das Begleitprogramm umfasst das Symposium »Beethoven, unser Zeitgenosse«, die »Late Night with Ludwig«-Konzerte in der Schlosskapelle im Residenzschloss Dresden, eine Concert Lounge, die Kammermatinee »Beethoven persönlich« sowie das Kapelle-für-Kids-Programm »Ludwig«. Ergänzend bietet der neu hinzugewonnene Kooperationspartner, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Kunstgespräche und Sonderführungen an. Der Beethoven-Zyklus »Beethoven. Vier Tage. Neun Sinfonien.« wird das Orchester auf Tourneen im April und Mai 2027 begleiten.
Fortsetzung des Mahler-Zyklus'
»Abschied« – so benennt Gatti den dritten Teil des ersten Mahler-Zyklus der Sächsischen Staatskapelle Dresden. In der Spielzeit 2026/27 spielt das Orchester drei Werke, die auch auf inhaltlicher Ebene zusammengehören: Die Sechste Sinfonie, die Zehnte Sinfonie in der Aufführungsversion von Deryck Cooke und Das Lied von der Erde. Sie gehören gemeinsam mit der Neunten Sinfonie, die im Herbst 2027 in Dresden erklingen wird, zu Mahlers spätem Schaffen: ein Labor neuer Klangrede und das Ergebnis des Nachdenkens über Endlichkeit. Nicht als Totenmesse sondern als Kunst des Loslassens. Dass diese drei sinfonischen Werke in der Spielzeit nicht chronologisch erklingen, entspricht ihrem inneren Denken: Abschied ist bei Mahler keineswegs ein linearer Vorgang.
Capell-Compositeur und Capell-Virtuos Jörg Widmann
Ein Novum: Zum ersten Mal in der Geschichte der Sächsischen Staatskapelle Dresden wird ein Künstler sowohl die Residenz des Capell-Compositeurs als auch die des Capell-Virtuosen ausfüllen. »Ich liebe die Schichten der Geschichte, die in Dresden miteinander verwoben sind, aber ich blicke nicht einfach mit Nostalgie und Sentimentalität auf diese Tradition zurück. Im Gegenteil, ich frage mich als Künstler von heute: Ist sie für uns noch relevant? Und ich behaupte ja, sehr. Auch wenn ich weiß, dass es in der Geschichte der Staatskapelle eine Ausnahme ist, einen Capell-Compositeur und einen Capell-Virtuosen in derselben Person zu haben, steht diese Ehre für mich ganz im Einklang mit jahrhundertealten Traditionen, in denen Komponisten konzertierten, Interpreten komponierten, die meisten Künstler unterrichteten und der grenzüberschreitende Austausch als wesentlicher Bestandteil des kreativen Wachstums und des sozialen Fortschritts empfunden wurde. So ist die Vergangenheit wegweisend.« Jörg Widmann
Jubiläum Herbert Blomstedt
Seit nunmehr einem halben Jahrhundert währt das enge freundschaftliche Verhältnis zwischen Herbert Blomstedt und der Sächsischen Staatskapelle Dresden, deren Chefdirigent er von 1975 bis 1985 war. Am 17. April 1969 stand er erstmals am Pult der Kapelle, seitdem gab er gemeinsam mit dem Orchester mehr als 550 Konzerte in Dresden und der Welt. Es ist ein ganz besonderer Anlass, den Ehrendirigenten des Orchesters im Jahr seines 100. Geburtstages in der Semperoper zu begrüßen. Im 6. Sinfoniekonzert zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 wird er Nänie op. 82 sowie die Vierte Sinfonie von Johannes Brahms dirigieren.
Weitere Konzerthöhepunkte
Das 3. Sinfoniekonzert Rückkehr des Feuervogels wartet mit einer Rarität auf: Unter der Leitung des britischen Dirigenten Robin Ticciati musiziert das Orchester das selten gespielte Violinkonzert Nr. 2 op. 61 von Karol Szymanowski mit dem Violonisten Leonidas Kavakos. Die musikalische Textur des atmosphärischen Werkes ist mit folkloristischen Einflüssen, aber auch mit Rückbezügen auf Igor Strawinsky durchwebt. Der Feuervogel, orchestrale Pyrotechnik, wird im zweiten Teil des programmatischen Konzerts erklingen.
Ein Wiedersehen mit dem Dirigenten und ehemaligen Kapellmusiker Petr Popelka gibt es im 4. Sinfoniekonzert «Böhmische Fabeln und Fanfaren«: In diesem tschechischen Programm wird der 1998 in Tokio geborene Mao Fujita das Klavierkonzert g-Moll op. 33 von Antonìn Dvořák interpretieren. Dieses Werk wird durch die sinfonische Dichtung Holoubek und sowie Leoš Janáčeks Sinfonietta ergänzt, die einen Einblick in die musikalische, von böhmischer Folklore und Sehnsüchten geprägte Welt des Komponisten gewährt.
Advents- und Silvesterkonzert
Das Adventskonzert unter der Leitung von Joshua Weilerstein sowie das Silvesterkonzert, dirigiert von Marie Jacquot, werden auch in der Konzertsaison 2026/27 vom ZDF aufgezeichnet und auf die nationalen Bildschirme übertragen. Die langjährige Zusammenarbeit mit dem ZDF repräsentiert die überregionale mediale Wahrnehmung und Wertschätzung des Orchesters und steht beispielhaft für weitere Kooperationen mit dem MDR, Unitel, der Deutschen Grammophon, dem Deutschlandfunk, EuroArts, MezzoTV, der Edition Günter Hänssler u.a.
Gastdirigenten und Dirigenten-Debüts
Tugan Sokhiev, der Sächsischen Staatskapelle Dresden eng verbunden, wird das Klavierkonzert Nr. 5 F-Dur Ägyptisches von Camille Saint-Saëns im 7. Sinfoniekonzert «West-Östliche Romanzen» dirigieren. Der international renommierte Solist Jean-Yves Thibaudet wird hierbei sein Debüt beim Orchester geben. Im Konzertprogramm schließt sich die Zweite Sinfonie von Sergej Rachmaninow an, die in Dresden komponiert wurde. Es ist ein großes Anliegen Sokhievs, Werke an ihren Entstehungsorten aufzuführen.
Im 8. Sinfoniekonzert wird die von Richard Wagner eingeführte Tradition aufgegriffen, die Neunte Sinfonie von Ludwig van Beethoven am Palmsonntag in der Semperoper Dresden aufzuführen. Mit Sara Blanch, Christa Mayer, Bernard Richter und Georg Zeppenfeld interpretiert ein erstklassiges Solistenensemble den letzten Satz der Sinfonie. Die Metamorphosen von Richard Strauss komplettieren das Programm. Die Musikalische Leitung hat Daniele Gatti inne.
Der italienische Dirigent Riccardo Minasi gab 2023 in einem Aufführungsabend sein Debüt bei der Staatskapelle. Nun kehrt er in die Semperoper für das 9. Sinfoniekonzert »Sommernachtsträume« zurück. Neben Felix Mendelssohn Bartholdys berühmtem Sommernachtstraum und Paul Wranitzkys Ouvertüre zum Singspiel Oberon, König der Elfen erklingt das Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart – interpretiert von Rudolf Buchbinder, der 2027 seinen 80. Geburtstag begeht.
Ein weiteres Debüt feiert Nathalie Stutzmann, die im 10. Sinfoniekonzert ein tragisch anmutendes Programm unter dem Thema »Dier Macht drs Schicksals« dirigiert: Die Ouvertüre zur Oper La forza del destino von Giuseppe Verdi, die Rhapsodie über ein Thema von Paganini von Sergej Rachmaninow – gespielt von Seong-Jin Cho, Gewinner des legendären Chopin-Wettbewerbs sowie die Vierte Sinfonie von Pjotr Tschaikowsky.
Das letzte Sinfoniekonzert der Saison 2026/27, «Tanz und Klang der Alten Welt», unter der Leitung von Manfred Honeck widmet sich böhmischen: Dvořák und Korngold verbrachten beide zu unterschiedlichen Zeiten wichtige Jahre in den USA und hinterließen bedeutende Spuren in der Neuen Welt. Schulhoff hingegen, dessen Musik auf brillante Weise europäische Volksmusik mit Einflüssen des amerikanischen Swing und Jazz verband, kam in einem Konzentrationslager ums Leben. Es erklingen Fünf Stücke von Erwin Schulhoff, das Violinkonzert D-Dur von Erich Wolfgang Korngold mit der norwegischen Violonistin Vilde Frang, die bei der Staatskapelle Dresden ihr Debüt gibt, sowie die Achte Sinfonie von Antonìn Dvořák.
Weitere Informationen und Karten: www.staatskapelle-dresden.de, telefonisch unter T 0351 4911 705, per e-mail unter bestellung@semperoper.de

