You Made Me Laugh
Recorder Concertos by G.P. Telemann
Clara Guldberg Ravn
arcantus arc 25027
1 CD • 78min • 2023
30.04.2026
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Gesamteindruck:![]()
Klassik Heute
Empfehlung
Nach ihren sehr gelungenen Einspielungen der Sonaten von Martinus Raehs und einer CD mit vorwiegend italienischen Blockflötenkonzerten widmet sich Clara Guldberg Ravn in ihrer neuesten Aufnahme den Werken für Blockflöte und Streicher von Georg Philipp Telemann. Dabei gelingt ihr die Referenzaufnahme der wohl von jedem Blockflötisten geliebten Ouvertüre in a-Moll TWV 55 A2. Sie macht dadurch vielleicht nicht hellauf lachen, aber ohne ein seliges Lächeln kann man ihr wohl kaum lauschen.
Telemann und die Blockflöte
Wohl kein anderer der großen Barockmeister wusste so idiomatisch und instrumentengerecht für die Blockflöte zu schreiben wie Georg Philipp Telemann. Vivaldi schreibt Violinmusik, J. S. Bach liegt oft nicht besonders gut „unter der Hand“, Händel bleibt im Rahmen seiner Zeitgenossen J. B. Loeillet und J. C. Schickhardt, denen so einige Sonaten gelangen, die teils wesentlich interessanter sind als die des Hallensers.
Während die allbekannte a-Moll-Ouvertüre mit einer soliden Technik auskommt, sind die beiden Konzerte ausgesprochenes „Virtuosenfutter“. Speziell das F-Dur-Konzert TWV 51 F1 ist wegen seiner extremen Hochtöne mit diversen a3 und einem c4 eine wahre Tour de Force für die Solistin, die zudem ein Instrument benötigt, bei dem sie sich auf die Ansprache dieser extremen Lage blind verlassen kann. Das C-Dur-Konzert ist auf einer Altblockflöte in F äußerst unangenehm zu spielen. Da es nur bis zum g1 heruntergeht, leistet hier – wie auch in Bachs 4. Brandenburgischen – eine Altblockflöte in G, die in Italien als Flauto italiano Standard war, exzellente Dienste.
In der heiter-witzigen Es-Dur-Ouvertüre TWV 55:Es2 ist als Soloinstrument eine „Flûte pastourelle“ vorgeschrieben, deren Identität bisher nicht eindeutig geklärt werden konnte. In der Fachliteratur wird angenommen, dass es sich entweder um eine Panflöte oder ein Instrument mit 6 Grifflöchern, ähnlich den Tin Whistles der irischen Folklore gehandelt haben dürfte. Die eingespielte Variante transponiert das burleske Werk, das wirklich zum Schmunzeln anregt, nach C-Dur und gibt es einer Sopranflöte, Trouvaillen erster Güte.
Feine, tonschön-sensible Interpretation
Clara Guldberg Ravn gelingt eine Referenzeinspielung. Dies liegt vor allem an ihrer alles mit einer selbstverständlich wirkenden, uneitlen Virtuosität gestaltenden Natürlichkeit, die auf jegliches plakative Demonstrieren verzichten kann. Ihre Verzierungen sind selbst in den wildesten Verschlingungen exakt koordiniert. Ihre agogischen Freiheiten blühen zwischen den einzelnen Taktschlägen, sodass das Ensemble keinerlei Probleme hat, ihrer klaren Intention zu folgen. Sie vermag in den langsamen Sätzen der Konzerte zu rühren (Anspieltipp: Track 10) und steht in den schnellen Sätzen souverän über den zungen-, griff- und atemtechnischen Anforderungen. Ihr stehen genügend Farben zu Gebote, um die Affektwechsel in den Moll-Abschnitten der Konzerte erlebbar werden zu lassen. Das Streicherensemble assistiert vorbildlich, die Verwendung einer Barockgitarre im Continuo verleiht den Tanzsätzen die nötigen rhythmischen Impulse, sodass man gern „mitwippt“.
Bis auf eine merkwürdige Mulmigkeit im ersten Satz des C-Dur-Konzerts vermittelt die Aufnahmetechnik ein lebendiges Bild, das zudem durch den informativen Booklet-Text der Solistin gewinnt.
Fazit: Liebe Blockflötisten, so und nicht anders spielt man Telemann. Definitiv empfohlen!
Thomas Baack [30.04.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Georg Philipp Telemann | ||
| 1 | Ouvertüre a-Moll TWV 55:a2 für Flöte, Streicher und Basso continuo (Darmstädter Ouvertüre) | 00:29:43 |
| 8 | Concerto F-Dur TWV 51:F1 für Blockflöte, Streicherensemble und B.c. | 00:13:06 |
| 12 | Concerto C-Dur TWV 51:C1 für Blockflöte, Streicher und Basso continuo | 00:16:38 |
| 16 | Ouvertüre Es-Dur TWV 55:Es2 für Flöte, Streicher und B.c. | 00:18:24 |
Interpreten der Einspielung
- Clara Guldberg Ravn (Blockflöte)
- Concerto Copenhagen (Ensemble)
