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Besprechung CDHadewijch

Hadewijch

Grote Minne • Spirituality of Love 13th century
VocaMe

Prospero Classical PROSP0140

1 CD • 63min • 2025

17.07.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Auf eine musikalische Reise ins 13. Jahrhundert führt uns das Vokalensemble VocaMe mit dem vorliegenden Album, das 14 Lieder der mittelalterlichen Mystikerin Hadewijch enthält, über deren Leben und Wirken im Übrigen nicht viel bekannt ist. Die vier Sängerinnen Sigrid Hausen, Gerlinde Sämann, Petra Noskalová, Maria Hauer und der Multi-Instrumentalist Michael Popp haben sich seit der Gründung des Ensembles (2008) auf Komponistinnen des Mittelalters spezialisiert und versuchen, deren vergessene Arbeiten zu restaurieren und neu zu beleben. Das ist im vorliegenden Fall beeindruckend gelungen.

Gelungene Rekonstruktion

Es ist davon auszugehen, dass diese Lieder gesungen wurden. Da aber kein Notenmaterial erhalten ist, lässt sich nicht entscheiden, ob für die vorliegenden Texte neue Melodien erfunden oder bereits vorhandene unterlegt wurden. Drei niederländische Literatur- und Musikwissenschaftler (Veerle Fraeters, Frank Willaert, Louis Peter Grijp) haben deshalb den Versuch unternommen, für 20 der erhaltenen 45 Lieder die Melodien aus dem Fundus der Trovère-Lieder kontrafaktisch zu rekonstruieren. Es wäre interessant gewesen, über die Details dieser Transkriptionen und Aneignungen noch Detaillierteres zu erfahren. Das instrumentale Arrangement stammt vom Ensemble VocaMe selbst und setzt neben dem auf verschiedenen Instrumenten spielenden Gesamtleiter Michael Popp (Santur, Fiedel, Laute, Glocken) noch zwei weitere Musiker ein: Anna Eggersberger (historische Harfen) und Ernst Schwindl (Drehleier, Portativ). Die Sängerin Sigrid Hausen spielt daneben in einigen Nummern auch Blockflöte.

Liebe spirituell

Es geht in Hadewijchs Liedern um die Liebe und nichts als die Liebe, denn ohne Liebe ist alles nichts. Allerdings ist diese Liebe nicht auf die banale fleischliche Beziehung reduziert, sondern erfährt eine gleichsam religiöse Überhöhung. Für die Mystikerin, die einer religiösen, außerklösterlichen Frauenbewegung des 13. Jahrhunderts angehörte, ging es vor allem um die seelischen und geistigen Aspekte der Minne, um die Vereinigung von menschlicher und göttlicher Liebe. Der Untertitel des Albums heißt denn auch zutreffend „Spiritualität der Sinne“.

Durchaus überzeugend

Dieser konzeptionelle Ansatz findet seine Entsprechung in der musikalischen Ausformung. Die vier Frauenstimmen finden im Unisono wie in der Polyphonie zu einer beglückenden Harmonie, wachsen oft zu einer einzigen Stimme zusammen. Die Instrumentalisten schaffen mit nie ermüdendem rhythmischem Drive einen den heutigen Hörer mitreißenden Drive und wiegen ihn in dem Glauben, tatsächlich in einer weit zurückliegenden Zeit angekommen zu sein. Zur religiösen Aura der sinnenfrohen Gesänge trägt der Aufnahmeort, die in der Nähe von Starnberg liegende Kapelle Grünsink, mit diskretem, die Klarheit des Klangs nie verschleierndem Hall nicht unwesentlich bei. Das informative Booklet enthält die gesungenen Texte in altniederländischer Sprache. Deutsche und englische Übersetzungen muss man allerdings scannen.

Ekkehard Pluta [17.07.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hadewijch van Brabant
1Om grote minne 00:04:32
2Men mach den nuwen tijt 00:03:40
3Tsaermer sal in corten tide 00:04:14
4Tsaermeer ontspringhen ons de bloemen 00:05:08
5Dit nuwe jaer 00:03:02
6Die tekene 00:03:07
7Die tijt vernuwet met sinen jaren 00:04:57
8Altoes mach men van minnen singhen 00:04:19
9Al es dit nuwe jaer begonnen 00:05:32
10Die voghele sijn nun blide 00:05:23
11Die tijt es donker ende cout 00:04:43
12Men mach der nuwer tide 00:03:59
13voghelen hebben lange geswegen 00:04:21
14Alse ons dit nuwe jaer ont steet 00:05:24

Interpreten der Einspielung

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