The individual and the entire tissue
Poems: Ursula Andkjær Olsen • Music: Jakob Davidsen
Jakob Davidsen Kammerat Orkester • Signe Asmussen soprano
OUR Recordings 8.226942
1 CD • 41min • 2026
26.08.2026
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Gesamteindruck:![]()
The individual and the entire tissue ist der letzte Titel eines neuen dänischen Liederzyklus von Jakob Davidsen, der für das Festival „Figura Festspiele 2024“ in Auftrag gegeben wurde und auf Gedichte von Ursula Andkjær Olsen zurück geht. Die Dichterin (Jg. 1970) hat mit ihrem Zyklus „Third Millenium Heart“ nach Auskunft ihres britischen Herausgebers ein feministisches Werk geschaffen, in dem das lyrische Ich, das als Frau gelesen werden kann, seine Beziehung bzw. Distanz zu seiner Umwelt in Variationen reflektiert. Das führt zu Bildern, die nicht immer unmittelbar nachvollziehbar sind, dann aber oft in einfachen Sentenzen zusammengefasst werden: Alles hängt mit allem zusammen. Einzelne Einfälle haben durchaus poetischen Reiz. Etwa das sich selbständig machende Herz, das außerhalb des menschlichen Körpers spazieren geht.
Sieben Lieder
Die Zahl Sieben hat für die Lyrikerin offenbar eine besondere Bedeutung, sie wird gleich im ersten Gedicht („At the end of each tree“) thematisiert. Sieben Lieder wurden (deshalb?) vom Komponisten aus ihrem Zyklus ausgewählt. Zwei längere Sätze, die keine andere Quelle haben als die Gedichte selbst, stehen am Anfang und am Ende der Partitur, während die fünf kürzeren Binnen-Sätze sich auch auf andere Komponisten, Kompositionen und Genres beziehen (welche, wird allerdings nicht verraten).
Träumerische Improvisationen
Der Komponist Jakob Davidsen (Jg. 1969) hat sich einen Ruf erworben als Mittler zwischen klassischer Musik und Jazz, wobei die Gattungen ineinander übergehen, fallweise verschmelzen. Dabei nimmt die freie Improvisation neben dem geschriebenen Material weiten Raum ein. Inwieweit die Gesangsstimme in diese Improvisation einbezogen ist und welche Metamorphosen die Musik von Aufführung zu Aufführung dabei durchmacht, weiß ich nicht. Klar wird bei mehrmaligem Hören dieser Einspielung, dass sich Davidsen nicht damit zufriedengibt, Olsens Lyrik zu illustrieren oder zu interpretieren, auch wenn er etwa für den Herzschlag („It sounded like“) oder den Sonnenauf- und -untergang („Sun up and down“) schlüssige musikalische Entsprechungen sucht. Die Gesangslinie ist sehr einfach gehalten, während sich das Kammerorchester wie eine Jazz-Combo anhört, die den Hauptteil der Kompositionen bestreitet und sich von den Textaussagen förmlich wegträumt, und auch den geneigten Hörer auf diese stimmungsvollen Reisen mitzunehmen versucht.
Überzeugende Umsetzung
Unabhängig davon, wie man die Bedeutung dieser Komposition in der Tradition moderner Lied-Zyklen einordnen will, ist ihre Wiedergabe rundum überzeugend. Die Sopranistin Signe Asmussen bringt mit sicherem Gespür für die musikalische Linie viel schlichtes Gefühl und gelegentlich Leidenschaft in ihren Vortrag ein. Dabei schmiegt sich ihre Stimme geschmeidig den Instrumenten an. Der Komponist selbst führt den virtuosen Klavierpart mit aller erforderlichen Bravour aus und seine unter dem kollektiven Namen Jakob Davidsen Kammerat Orkester musizierenden Mitstreiter sind auf ihren Instrumenten ausgewiesene Koryphäen: Anders Banke (Saxophon/Klarinette), Gunnar Halle (Trompete), Cæcilie Balling (Violine), Tobias Van Der Pals Cello), Thommy Andersson (Kontrabass), und Frans Kordelin Hansen (Schlagzeug).
Ekkehard Pluta [26.08.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Jakob Davidsen | ||
| 1 | At the end of each tree | 00:07:48 |
| 2 | Waiting Room | 00:04:52 |
| 3 | It sounded like | 00:04:45 |
| 4 | Closed orbit | 00:05:02 |
| 5 | Sun, up and down | 00:03:50 |
| 6 | You are inside me like | 00:05:24 |
| 7 | The individual and the entire tissue | 00:09:24 |
Interpreten der Einspielung
- Signe Asmussen (Sopran)
- Jakob Davidsens Kammerat Orkester (Kammerorchester)
