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Besprechung CDRavel Abroad

Ravel Abroad

Pierre Bleuse • Odense Symphony Orchestra

OUR Recordings 8.226944

1 CD • 53min • 2021, 2024, 2026

02.09.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der französische Violinist und Dirigent Pierre Bleuse ist nicht nur Leiter des Ensemble intercontemporain, sondern bereits seit 2021 Chefdirigent des Sinfonieorchesters Odense – noch, wie man sagen muss, denn im gegenwärtigen Jahr endet seine Ägide in Dänemark. Bei der vorliegenden Neuerscheinung handelt es sich um den ersten gemeinsamen Tonträger von Dirigent und Orchester, zur Gänze gewidmet dem Schaffen Maurice Ravels, dessen Musik offenbar einen besonderen Schwerpunkt von Bleuses Wirkens in Odense dargestellt hat (die Aufnahmen entstanden 2021, 2024 und 2026, also über seine gesamte Amtszeit verteilt). So ist das neue Album sicherlich auch als eine Art Resümee der Zusammenarbeit zwischen Bleuse und seinem Orchester zu betrachten. Die Ferne als Inspirationsquelle Der Titel der CD, Ravel Abroad, ist in diesem Kontext auf zwei Weisen auslegbar, nämlich einmal als Ravel interpretiert in Dänemark, zum anderen aber in dem Sinne, dass das Programm den Fokus auf Werke legt, die durch andere Länder inspiriert sind – speziell Spanien (als Heimat seiner Mutter eine stetige Inspirationsquelle Ravels), obwohl nicht umfassend zu betrachten: enthalten sind die Rapsodie espagnole, die Alborada del gracioso und der Bolero, nicht aber etwa die Pavane pour une infante défunte, stattdessen aber wiederum La Valse, das bekanntlich eine Hommage an das Wien des 19. Jahrhunderts darstellt, seine Zerstörung oder wenigstens das Ende einer Ära inbegriffen. Nota bene: die Faszination des Fremden, auch Entfremdung und Distanz sind ja überhaupt zentrale Motive in Ravels Schaffen, weshalb ein solches Programm innerhalb des Ravel’schen Kosmos nicht von ungefähr zentral gelagert ist. Kultivierte, sorgfältig gearbeitete Lesarten Insgesamt liefern Bleuse und sein Orchester einen ausgesprochen kultivierten, wohlartikulierten und sorgfältig gearbeiteten Ravel. Die Grundhaltung ist von einer gewissen Zurückhaltung geprägt, tendenziell auch im Tempo, vor allem aber im Ausdruck, der eher klar und ein wenig verhalten als durchgehend schillernd und unbedingt expressiv anmutet. So kommen am Anfang von La Valse etwa allerlei Details in bemerkenswerter Klangschönheit zur Geltung, ähnlich im 1. Satz der Rapsodie espagnole, unterstützt durch die sehr gute und differenzierte Klangqualität der Aufnahmen. Rubato setzt Bleuse eher dosiert ein, auch die Portamenti und die dezidiert schmachtenden, ja lasziven Momente dieser Musik werden nicht bis ins Letzte ausgereizt: es bleiben vergleichsweise geradlinige Interpretationen. Bei Repertoire wie diesem stellt sich natürlich immer die Frage nach dem Vergleichsmaßstab. Die in jeder Sekunde spannungsvolle atmosphärische Dichte mit all den subtilen, quasi halb unterdrückten Stimmen im Hintergrund, die agogische Freiheit und die Idiomatik, die – um ein Beispiel zu nennen – etwa die Einspielungen eines Jean Martinon auszeichnet, wird man auf dieser CD so nicht wiederfinden, besonders deutlich zu bemerken dann, die Musik ins Frenetische, Ekstatische (Schluss der Alborada oder der Rapsodie) oder ins Dystopische, Katastrophische (La Valse) gesteigert wird: hier bleiben Bleuse und das Orchester aus Odense vergleichsweise zahm, jedenfalls eher solide als besessen. Zeugnis einer gelungenen Zusammenarbeit Auf der anderen Seite handelt es sich nichtsdestoweniger um gut geratene, in vielerlei Hinsicht mehr als nur ordentlich gearbeitete Einspielungen, die hinter zahlreichen anderen Aufnahmen dieser Werke nicht zurückstehen. Anders formuliert: geht man in Odense ins Konzert, so wird man einen hörens- und empfehlenswerten Ravel geboten bekommen und darf sich in kompetenten Händen wissen. Insofern handelt es sich bei diesem Album in der Tat um das Zeugnis einer fruchtbaren, gelungenen Zusammenarbeit zwischen Dirigent und Orchester. Erfreulich einmal mehr auch der schön geratene, informative Begleittext von Trine Boje Mortensen.

Holger Sambale [02.09.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Maurice Ravel
1La Valse (Poème choréographique für Orchester) 00:13:02
2Rapsodie espagnole 00:16:28
6Alborada del gracioso (aus: Miroirs) 00:07:43
7Boléro (Ballet pour orchestre) 00:15:38

Interpreten der Einspielung

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