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CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

Besprechung CDJohanna Müller-Hermann

Johanna Müller-Hermann

String Quintet op. 7 • Cello Sonata op. 17
Ensemble Louise Farrenc

cpo 555 641-2

1 CD • 64min • 2023, 2024

07.10.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Seit zwei Jahrzehnten erscheinen vermehrt Aufnahmen mit Werken von Komponistinnen. Manches – wie hier – höchst beachtenswert, manches eher banal und in der Hauptsache zur Befriedigung des herrschenden Zeitgeistes. Desto dankenswerter ist es, dass das Ensemble Louise Farrenc unsren Blick auf die erste Frau richtet, der man in Wien den Theorie- und Kompositionsunterricht anvertraute. Sie heißt Johanna Müller-Hermann (1868-1941) und wurde von Zeitgenossen wie Wilhelm Furtwängler durchaus geschätzt, fiel als Spätromantikerin mit Tendenz zum Impressionismus nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Die sechs Musiker widmen sich nun – durchaus mit Gewinn für die Zuhörer – ihrem Streichquintett (1909) und ihrer Cellosonate (1915). Eine „Spätberufene“ Zwar spielte die Musik im elterlichen Haushalt eine hervorragende Rolle, da die Mutter ausgebildete Sängerin war, hervorragend Klavier spielte, sodass Johanna von Hermann – so ihr Mädchenname – bereits als Kind Lieder auf eigene Texte verfassen konnte, jedoch lehnten die Eltern eine musikalische Berufsausbildung für sie ab und rieten ihr zu einer Ausbildung als Volksschullehrerin. In diesem Beruf arbeitete sie bis zu ihrer Eheschließung mit dem Juristen und Ministerialbeamten Dr. Müller-Martini 1893. Nicht mehr berufstätig und wohlsituiert nutzte sie ihre freie Zeit, um bei Joseph Bohumil Foerrster und Franz Schmidt, dem Schöpfer der Oper Notre Dame und des Oratoriums Das Buch mit den sieben Siegeln Kompositionsunterricht. Instrumentation lehrte sie der väterliche Freund Arnold Schönbergs Alexander von Zemlinsky. Daneben besuchte sie Seminare des bedeutenden Musikhistorikers Guido Adler. Erste Kompositionen erschienen 1903 mit den Liedern Op. 1, in denen sie teilweise eigene Texte vertonte. 1918 wurde sie als Nachfolgerin ihres Lehrers Foerster die erste Professorin für Theorie und Komposition Wiens. Diese Stelle behielt sie bis zu ihrer Pensionierung 1932, Streichquintett und Cellosonate Das Streichquintett a-Moll Op. 7 in der von Mozart, Bruckner und Brahms präferierten Besetzung mit 2 Violen ist ein hochinteressantes Werk mit originellen formalen Lösungen. So beginnt der in Sonatenform stehende Kopfsatz (Moderato, ma energico) leidenschaftlich im 4/4-Takt, wechselt für den Seitensatz aber in einen langsameren 12/8-Rhythmus, woraus sich in der harmonisch pikanten Durchführung interessante Konflikte ergeben. Das Scherzo steht in d-Moll und kombiniert einen ruppigen Hauptteil mit einem lyrischen Trio in F-Dur. Hier grüßt Bruckner von Ferne. Der langsame Satz (Adagio con espressione) nimmt das 4/4-12/8-Spiel des Kopfsatzes wieder auf, wobei diesmal die 12/8-Abschnitte das Drama übernehmen. Das Finale beginnt schleichend mit einer Introduktion im Tempo des Adagio. Daran schließt sich ein Sonatenrondo in A-Dur an, in dessen Verlauf auch die Introduktion wieder aufgegriffen wird. Insgesamt ein originelles und melodisch reiches Werk, das trotz einer knapp dreiviertelstündigen Spieldauer nirgends Leerstellen aufweist. Während das Quintett brucknerische Züge trägt, zeigt sich die Cellosonate in G-Dur Op. 17 eher impressionistisch und lässt in den glitzernden Klavierfiguren des Kopfsatzes an Ravels „Jeux d’eau“ denken. Auch in diesem kürzer gefassten Werk erhält das Finale wieder eine langsame Einleitung, die diesmal üppiger ausfällt, weil ein eigentlicher langsamer Satz fehlt. Schöne Ergänzung oder sogar Ersatz für die Sonate Debussys. Engagierte Interpretation Dem Ensemble Louise Farrenc gelingt es, mit beiden Ersteinspielungen zu überzeugen. Das unbekannte Streichquintett in den Stimmverläufen so fein auszutarieren, setzt eine Unterscheidung von Haupt- und Nebenstimmen voraus, wie sie nur nach detaillierter Analyse entsteht. Das ist Musizieren mit Herz und Verstand. Da wäre eine weiter Aufnahme mit dem Klavierquintett gekoppelt mit Violin- und Klaviersonate als nächste Projekt direkt anzuraten. Das Booklet ist informativ. Die Aufnahmetechnik hätte vielleicht noch ein wenig saftiger agieren können. Fazit: Hochinteressante Werke der Spätromantik mit teils impressionistischem Einschlag. Klare Empfehlung!

Thomas Baack [07.10.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johanna Müller-Hermann
1Streichquintett a-Moll op. 7 00:41:28
5Sonate G-Dur op. 17 für Violoncello und Klavier 00:20:02

Interpreten der Einspielung

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