Dupré – Liszt
Olivier Latry • Dresdner Philharmonie • Kahchun Wong
la dolce volta LDV 135
1 CD • 69min • 2024
06.11.2026
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Klassik Heute
Empfehlung
Mit Werken von Marcel Dupré und Franz Liszt legt Olivier Latry gemeinsam mit der Dresdner Philharmonie unter Kahchun Wong eine Einspielung vor, die zwei kompositorische Welten verbindet: die französische Orgeltradition Marcel Duprés und die symphonische Klangkunst Franz Liszts. Das Programm verspricht mehr als eine bloße Aneinanderreihung bekannter Werke. Es rückt die symphonische Orgel in eine orchestrale Dimension: Nicht als isoliertes Soloinstrument, sondern als klanglicher Partner und Erweiterung des Klangspektrums eines Orchesters.
Olivier Latry, der als Titularorganist von Notre-Dame zu den bedeutendsten Interpreten französischer Orgelmusik zählt, bringt dafür nicht nur die technische Autorität, sondern auch ein umfassendes Verständnis für Farbe, Registrierung und raumakustische Wirkung mit. Das setzt er etwa in Duprés Trois Préludes et Fugues op. 7 ein, ein Geniestreich des jungen Dupré. Latry registriert hier nicht blind nach den im Notentext angegebenen Vorschriften, sondern so, dass es in der naturgemäß eher trockenen Konzertsaalakustik und mit den klanglichen Ressourcen der Eule-Orgel des Kulturpalastes Sinn macht. Das führt dazu, dass man unzählige Details ganz neu wahrnimmt, die in einer halligen Kirchenakustik und mit Registrierungen strikt nach „Schema F“ vermutlich untergegangen wären. Hinzu kommt noch Latrys in jeder Hinsicht überlegene Spieltechnik.
Neue musikalische Kontexte
Die zahlt sich auch in den hier eingespielten Orchestertranskriptionen der Werke aus, die Dupré für Orgel und Orchester eingerichtet hat. Vergleicht man diese mit den weitaus bekannteren Orgelfassungen, so gibt es zum Teil deutliche Abweichungen. Die Versionen von Duprés Cortège et Litanie sowie Liszts Legende des über die Wellen schreitende Franziskus und der Fantasie und Fuge über Ad nos für Orgel und Orchester zeigen andere Facetten, sind aber nicht weniger überzeugend. Unter Kahchun Wong bildet die Dresdner Philharmonie einen ausgezeichneten, flexiblen und auch farbenreichen Gegenpol zur Orgel. Besonders reizvoll ist die Spannung zwischen der Präzision und Transparenz französischer Orgelkunst und der Wucht sowie dem flexiblen rhetorischen Gestus des spätromantischen Orchesterklangs. Das gelingt hier ganz wunderbar.
Gelungene Balance
Dass mit gerade Liszt und Dupré zwei stilistische Antipoden zusammengebracht werden, ist programmatisch durchaus überzeugend: Beide haben die Grenzen ihrer Instrumente ausgelotet und der Orgel eine Rolle zugedacht, die weit über einen rein kirchlichen Kontext hinausreicht. Und mit den Orchesterbearbeitungen wird auch der musikalische Kontext dieser Werke gewinnbringend erweitert. Klanglich liegt die zentrale Herausforderung dieser Aufnahme in der Balance beider Klangkörper. Dies ist hier zweifelsohne gelungen. Es entsteht ein faszinierendes Zusammenspiel, in dem sich Orgel und Orchester abwechseln, durchdringen und gemeinsam große Bögen gestalten.
Guido Krawinkel [06.11.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Marcel Dupré | ||
| 1 | Cortège et litanies op. 19 Nr. 2 | 00:05:31 |
| Franz Liszt | ||
| 2 | Franziskus-Legende Nr. 2 | 00:10:43 |
| Marcel Dupré | ||
| 3 | Prélude et Fugue B-Dur op. 7 Nr. 1 | 00:06:46 |
| 5 | Prélude et Fugue f-Moll op. 7 Nr. 2 | 00:09:39 |
| 7 | Prélude et Fugue g-Moll op. 7 Nr. 3 | 00:06:41 |
| Franz Liszt | ||
| 9 | Fantasie und Fuge über den Choral "Ad nos, ad salutarem undam" | 00:29:29 |
Interpreten der Einspielung
- Olivier Latry (Orgel)
- Dresdner Philharmonie (Orchester)
- Kahchung Wong (Dirigent)
