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Besprechung CDThe Three Sopranos

The Three Sopranos

Earthly Delights for Angelic Voices

cpo 555 729-2

1 CD • 73min • 2025

22.10.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Singende Damen-Trios waren in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an den Höfen von Ferrara und Mantua und schließlich in Rom außerordentlich erfolgreich und inspirierten zahlreiche Komponisten der Monteverdi-Ära zu Kompositionen. Vor allem Andreana Basile und ihre Töchter Leonora und Caterina gelangten als „Le Canterine Romane“, die ihren Gesang selbst auf verschiedenen Instrumenten begleiteten, zu internationaler Berühmtheit. Der englische Dichter John Milton würdigte sie in drei lateinischen Epigrammen, der französische Musiker André Maugars geriet bei ihrem Auftreten so in Verzückung, dass er sich „unter den Engeln“ wähnte. In einer neuen Publikation des Boston Early Music Festival lassen Amanda Forsythe, Dorothee Mields und Cecilia Duarte, drei Diven der Barock-Musik, diese alte Konzertform wieder lebendig werden.

Der Tod tanzt mit

„Earthly Delights for Angelic Voices“ ist der Titel des gemeinsamen Programms, wobei „angelic“ im Booklet mit „englisch“ recht missverständlich übersetzt ist. Und mit den „irdischen Freuden“ ist es auch nicht so weit her. Freilich handeln alle Gesänge von der Liebe, aber die bereitet bekanntlich häufiger Schmerz als Lust, und die Leiden haben Dichter und Komponisten von jeher mehr inspiriert als die Freuden. Und auch da, wo sich Lebenslust breit macht, tanzt der Tod immer mit. Das wird schon in den Liedern, die das Programm umrahmen, einigermaßen klar. Folle cor von Domenico Mazzocchi (1592-1665) verkündet im Untertitel: „Breve è la nostra vita“, und weil das Leben so kurz ist, fordert der Refrain dazu auf, den trügerischen Genüssen rechtzeitig zu entfliehen. Und das letzte Stück im Stile eines Volkstanzes, Passacalli della vita, hämmert uns bei aller Ausgelassenheit am Ende jeder Strophe die Erkenntnis ein: „Bisogna morire“ (Man muss sterben). Inmitten des Programms steht die dreistimmige Bußpredigt Anima peccatrice von Marco Marazzoli (ca. 1602-1662), das längste Stück des Albums, das die fleischlichen Sünder zur Umkehr aufruft.

Meister der Kantate

Die heute kaum noch bekannten Komponisten der hier gesammelten Kammerkantaten nahmen zu ihrer Zeit wichtige Funktionen im Musikleben der Hauptstadt ein. Der Kastrat Marc’Antonio Pasqualini (1614-1691) galt als der führende Sopranist seiner Zeit, Mario Savioni (1608-1685) machte sich als Altsolist in der Cappella Giulia des Petersdoms einen Namen und trat später auch in Opern auf. Domenico Mazzocchi war neben seiner kompositorischen Arbeit auch ein Experte in Fragen der Aufführungspraxis und Marco Marazzoli schrieb neben Opern und Oratorien 380 Kantaten für eine bis sechs Stimmen. Die zentrale Gestalt im römischen Musikleben war indes Luigi Rossi (um 1597-1653), der als Opernkomponist hohes Ansehen genoss, den Schwerpunkt seiner Arbeit jedoch auf dem Gebiet der Kammerkantate (für eine, zwei und drei Stimmen mit Basso continuo) sah. Er ist in diesem Album mit acht von vierzehn Titeln vertreten.

Inspirierte Wiedergabe

Es mag an der glücklichen Auswahl der Musikstücke und an der vorbildlichen Interpretation liegen, dass das Programm an keiner Stelle ermüdet. Kein Stück klingt wie das andere, jedes für sich bildet einen eigenen kleinen Kosmos. Und die drei Sängerinnen setzen in ihren Soli zwar starke Farbakzente, verschmelzen in den Ensembles aber gleichsam zu einer Stimme. Die beiden Sopranistinnen Armanda Forsythe und Dorothee Mields sind sich im Stimmtyp des leichten lyrischen Soprans sehr ähnlich, die erstgenannte darf besonders in Gelosia kräftigere Charakterfarben auftragen. Die bringt auch die Mezzosopranistin Cecilia Duarte in Amanti piangete auf. Man hat beim Hören die Illusion, Andreana Basile und ihre Töchter live zu erleben. Allerdings begleiten sich die Nachfolgerinnen von heute nicht selbst, sondern überlassen das dem sehr inspirierten achtköpfigen Kammerensemble des Boston Early Music Festival, das von Paul O’Dette (Chitarrone) und Stephen Stubbs (Barockgitarre und Laute) angeführt wird.

Ekkehard Pluta [22.10.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Domenico Mazzocchi
1Folle cor 00:03:26
Luigi Rossi
2Mio core languisce 00:03:34
3Speranza al tuo pallore 00:03:22
Marc'Antonio Pasqualini
4Luci care, amate stelle 00:03:51
Luigi Rossi
5Disperate speranze 00:05:24
6Amanti piangete 00:04:45
7Ai sospiri, al dolore 00:03:13
8Passacaglia per la arpa 00:02:27
Marco Marazzoli
9Anima peccatrice 00:09:50
Luigi Rossi
10Occhi belli 00:03:10
11Gelosia 00:07:58
Mario Savioni
12Le Tre Madri 00:09:06
Marc'Antonio Pasqualini
13Io ritorno dal periglio 00:06:14
Luigi Rossi
14Fan battaglia 00:03:08
Anon.
15Passacalli della vita 00:03:38

Interpreten der Einspielung

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