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Meldung vom 23.09.2021

Hinweis im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit sowie der orthographischen und grammatikalischen Korrektheit wird auf die Praxis der verkürzten geschlechterspezifischen Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung gleichermaßen für alle Geschlechter.

Festival: "Im Zeichen des Janus"

Inselfestival Hombroich spürt den Verbindungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nach

Beim Pressegespräch auf dem Museumsgelände Raketenstation Hombroich stellten am 16. September Dr. Peter Gloystein, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins des Kulturprojekts Hombroich, und Kurator Dr. Rainer Wiertz das Programm des 18. Inselfestivals Hombroich vor. Nachdem das in zweijährigem Rhythmus stattfindende Festival zweimal aufgrund der Corona-Pandemie hatte verschoben werden müssen, steht die Ausgabe 2021 vom 30. September bis zum 3. Oktober ganz im Zeichen der Figur des Janus.

Doppelgesichtige Gottheit allen Anfangs und Endes

Der altitalische Gott, der keine Parallele im griechischen Pantheon hat, gehört zu den interessantesten und eigensten Figuren der römischen Mythologie. Janus, dessen Kult-Geschichte sich im historischen Dunkel verliert, wurde mit zwei Gesichtern dargestellt und als Hüter der Türschwellen sowie Gottheit allen Anfangs und Endes verehrt. Insbesondere der Aspekt des Übergangs, der Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft war für Dr. Rainer Wiertz Leitgedanke bei seiner Programmgestaltung für die Saison 2021. Im Fokus stehen Werke, die für ihre Zeit zukunftsweisend waren, und solche, die aus der Vergangenheit schöpften, um für ihre Gegenwart neue Wege zu erschließen. Ein besonderes Gewicht wird mit zwei Uraufführungen auf zeitgenössische Tendenzen der Musik gelegt.

Goldberg-Variationen stehen am Anfang

Kaum ein Werk wäre besser dazu geeignet, den Auftakt für dieses Konzept zu machen, als Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen, die einen Höhepunkt barocker Variationskunst darstellen. Bachs epochale und folgenreiche Meisterschöpfung, die aus 30 Variationen der einleitenden Aria besteht, die bezüglich ihrer Urheberschaft bis heute umstritten bleibt, eröffnet das Festival am Donnerstagabend (30. September) in der Veranstaltungshalle Raketenstation Hombroich. Luca Quintavalle spielt historisch informiert auf dem Cembalo.

Quartette am Freitag

Am Freitag spielt im Haus der Musiker (17 Uhr) das Alinde Quartett. Das Ensemble, das sich von 2020 bis 2028 der Gesamteinspielung sämtlicher Schubert-Quartette widmen will, stellt in seinem Konzert Fantasien von Henry Purcell sowie Felix Mendelssohn Bartholdys op. 80 einer Uraufführung des Komponisten Stefan Johannes Hanke (Jg. 1984) gegenüber, deren Titel erst kurzfristig bekannt gegeben wird. In der Langen Foundation steht der Abend (20 Uhr) im Zeichen des in Barcelona beheimateten und preisgekrönten Cuarteto Casals, das einen Dialog über Epochen und Ländergrenzen hinweg zwischen Quartett-Literatur von Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven und Dmitri Schostakowitsch aufnimmt.

Der Samstag: Vokalkunst, Poesie und Klavierrecital

Am Festival-Samstag (15 Uhr) lädt das in bester englischer Chortradition stehende junge Ensemble The Gesualdo Six zu einer Klangwanderung an drei verschiedene Orte der Raketenstation Hombroich: Den musikalischen Ausgangspunkt bilden unter dem Titel „Italian Madrigals‟ Vokalkompositionen der Renaissance und des Barock. Im weiteren Verlauf wird unter dem Titel „Britain: Past & Presence‟ britische Musik aus Vergangenheit und Gegenwart zu hören sein, bevor beim Abschluss die Beziehung von Natur und Musik in Kompositionen von Le Jeune, Britten, Vaughan Williams und Willis reflektiert wird.

Den literarischen Schwerpunkt des Festivals bildet um 17 Uhr – ebenfalls im Haus der Musiker – eine poetische Lesung der Autoren Michael Lentz und Ingo Schulze aus Berlin. Der in Wien und auf der Raketenstation lebende, renommierte südtiroler Autor Oswald Egger lädt die beiden Schriftsteller zum Trialog ein.

Einen Publikumsliebling der Neusser Musikfreunde bringt das Festival am Samstagabend in die Veranstaltungshalle: Matan Porat, israelischer Komponist und Pianist, hat in besonderer Weise auf das Leitmotiv des Festivals reagiert und um das Klavierstück Janus des israelischen Komponisten Mordecai Seter die Suite Nr. 2 F-Dur von Georg Friedrich Händel, Robert Schumanns facettenreiche Fantasiestücke op. 12 und Franz Schuberts späte und lichtvolle Sonate G-Dur D 894 gruppiert.

Historische Querverbindungen am Sonntag

Eine Matinee in der Veranstaltungshalle Raketenstation Hombroich (11 Uhr) eröffnet den Sonntag, an dem historische Aspekte und Querverbindungen über Epochen hinweg beziehungsreich aufgegriffen werden, mit einem Konzert des Aris Quartetts. Die deutschen Musiker stellen das Streichquartett op. 15 (1937/38) des tschechischen Komponisten Pavel Haas, der von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet wurde, einem der drei Streichquartette op. 44 von Felix Mendelssohn-Bartholdy gegenüber, dessen Musik im Rassenwahn des Dritten Reichs geächtet wurde.

Alberto Posadas (Jg. 1967) steht im Zentrum des nachmittäglichen Konzertes (17 Uhr) in der Veranstaltungshalle. Florian Hoelschler spürt dort am Klavier den Einflüssen nach, die der spanische Komponist in Auseinandersetzung mit François Couperin, Robert Schumann und Claude Debussy verarbeitet, und stellt dessen Musik Originalwerken dieser Komponisten gegenüber. Den Angelpunkt des Konzertes aber bildet die Uraufführung eines Werkes von Rolf Riehm (Jg. 1937): gestern aber heute 532 – Klangclips und tweets zur brüchigen Gegenwart.

Das Abschlusskonzert des Inselfestivals findet dann ebenfalls in der Veranstaltungshalle statt: Samson Tsoy (Klavier) hat mit Tobias Feldmann (Violine), Nicolas Baldeyrou (Klarinette) und Andrei Ioniță (Violoncello) ein internationales Ensemble zusammengestellt, um Olivier Messiaens gewaltiges und aufwühlendes Quatuor pour la fin du temps zu interpretieren, das der Komponist in deutscher Kriegsgefangenschaft in Görlitz schrieb und zur Aufführung brachte. Bevor mit Messiaens Meisterwerk das Festival verklingt, schlägt der Pianist zu Anfang noch einmal den Bogen zurück zum ersten, Bach gewidmeten Konzert und spielt – auf dem modernen Flügel – dessen Partita Nr. 2 in c-Moll.

„Gute Musik und große Werke immer auch autonom für sich selbst.“

Dr. Rainer Wiertz freut sich auf das Programm, das lagebedingt von den üblichen fünf auf vier Tage verkürzt wurde und versichert, dass bei der Konzeption keine Abstriche an die Qualität gemacht wurden. Zum Motto des Festivals erläutert er: „Der doppelgesichtige Janus schaut in gewisser Weise sowohl zurück in die Vergangenheit als auch nach vorne in die Zukunft. In der Musik ist der Blick in zukünftige Entwicklungen natürlich nur sehr eingeschränkt möglich. Wir können alle nicht in die Zukunft schauen. Und so wird für uns vor allem im Rückblick deutlich, was Zukunftsmusik war und an welchen Stellen sich spätere Entwicklungen bereits andeuteten oder klar manifestierten. Dieser spannenden Fragestellung gehen wir mit unserem diesjährigen Festival nach – nicht nur im Mikrokosmos eines jeden Konzertereignisses, sondern auch im Makrokosmos des Gesamtprogramms, das Querbezüge und Verbindungen deutlich macht. Unabhängig davon sprechen gute Musik und große Werke aber immer auch autonom für sich selbst. Sie brauchen keinen Kontext und keine Expertenkenntnisse. Die Künstlerinnen und Künstler, die wir eingeladen haben, garantieren in jedem Fall für herausragende Interpretationen und freuen sich auf das einzigartige Konzept des Inselfestivals, das nur dank der großzügigen Unterstützung unserer Partner, Förderer und Freunde möglich ist. Dafür möchte ich ihnen allen gerade im Angesicht der Corona-Krise, die Kultur an vielen Stellen existenziell in Frage gestellt hat, von Herzen danken.

Eintritt frei – um Anmeldung wird gebeten

Nach dreieinhalb Jahren pandemischer Unterbrechung findet das Inselfestival Hombroich unter coronabedingten Auflagen – anders als in den Vorjahren – nur auf der Raketenstation statt. Die Auseinandersetzung mit Kunst und Natur des Areals, das sich in den letzten Jahrzehnten von einer Raketenanlage des Kalten Krieges zum Kulturort wandelte, und die Begegnung mit den Künstlerinnen und Künstlern bleibt aber auch in dieser Festival-Ausgabe zentrales Anliegen der Veranstalter.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist kostenfrei. Freiwillige Spenden sind jedoch willkommen. Diese helfen dabei, das Kulturprogramm des Inselfestivals weiter zu ermöglich. Um Anmeldung zwecks Disposition der kapazitätenbeschränkten Konzerte wird mit einer Woche Vorlauf unter foerderverein@inselhombroich.de gebeten. Die Veranstalter bitten das Publikum außerdem darum, sich im Vorfeld der Konzerte unter inselhombroich.de kurzfristig mit den jeweils zu den Konzertdaten gültigen Corona-Bestimmungen bekannt zu machen und diese zu beachten. Weitere Informationen: www.foerderverein-hombroich.de

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