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Besprechung CD

Friedrich Witt

Symphonies 1-3
Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

cpo 555 611-2

1 CD • 73min • 2023

19.02.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Michael Alexander Willens und seine Kölner Akademie widmen sich in ihrer neuesten Einspielung den ersten drei im Druck veröffentlichten Sinfonien des Würzburger Hofkapellmeisters und Jahrgangsgenossen Beethovens, Friedrich Witt (1770-1836). Diese nehmen die von Joseph Haydn in seinen Pariser und Londoner Sinfonien etablierten Muster auf und zeichnen sich vorrangig durch eine äußerst farbige Instrumentation aus. Allerdings fehlt es dem gekonnt verarbeiteten Themenmaterial ein wenig an Wiedererkennbarkeit und Schlagkraft.

Fränkische Klassik

Wer sich näher mit dem Jugendwerk Beethovens beschäftigt hat, mag bereits auf den Namen Friedrich Witt gestoßen sein, da dieser der eigentliche Komponist der lange Zeit Beethoven zugeschriebenen Jenaer Sinfonie ist. Friedrich Witt stammte aus Niederstetten, das heute zu Baden-Württemberg gehört, damals aber Bestandteil des Fürstentums Hohenlohe war. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Nürnberg erhielt er ab 1790 eine Anstellung als Cellist in der im späten 18. Jahrhundert vielfach gerühmten Hofkapelle des Fürsten von Oettingen-Wallerstein, die unter der Leitung von Kapellmeister Antonio Rosetti und Intendant Ignaz von Beecke stand und Kontakte zu Haydn und Mozart pflegte. Mit dem dortigen Klarinettisten Joseph Beer unternahm er mehrere Konzertreisen, die ihn über Thüringen und Mecklenburg bis nach Wien führten. Einem dieser Konzerte im Wiener Augarten wohnten Haydn und andere prominente Wiener Musiker bei. Klarinettist Beer blieb daraufhin in Wien und spielte später in den Uraufführungen von Beethovens Quintett für Klavier und Bläser, des Septetts und wohl auch des Gassenhauer-Trios.

Witt hingegen ging nach Würzburg, wurde dort Hofkapellmeister des Fürsterzbischofs, heiratete die Tochter des reichsten Bürgers der Stadt und war bis 1824 im Amt.

Interessant, aber nicht wirklich spektakulär

Stärken und Schwächen des Komponisten lassen sich recht gut am Beginn der Sinfonie Nr. 1 in B-Dur ablesen. Sie beginnt ihre Adagio-Einleitung mit festlichen Bläserakkorden, denen von Holz und Streichern im Pianissimo geantwortet wird, um eine Spannung aufzubauen, die sich im Allegro vivace entladen soll. Dies ist aber kaum möglich, wenn das Hauptthema gleichmäßig in Tonleiter-Ausschnitten einherschreitet. Zudem ist es fraglich, ob es um 1800 noch nötig war, auf das aus der barocken Triosonate wohlbekannte Mittel zurückzugreifen, bei dem eine figurierte Stimme von zwei sich in Tonleitern mit Vorhaltsbildung ergehenden Stimmen akkompagniert wird, um durch Permutation zu einem eleganten dreifachen Kontrapunkt zu kommen. Böse Zungen würden hier von „Organistenzwirn“ sprechen.

Dahingegen nehmen sich die Mittelsätze wesentlich origineller aus. Sie sind außerordentlich farbig instrumentiert und geben vor allem den Holzbläsern Gelegenheit mit anspruchsvollen Soli zu glänzen.

Interpretation mit Schwächen

Die Interpretation leidet an diversen kleinen Ungenauigkeiten. Mal sind Bläser und Pauken nicht ganz zusammen, mal wirken Figuren der Holzbläser verhuscht, mal stimmt die Intonation nicht hundertprozentig. Zudem wurde das Blech etwas zu prominent in Szene gesetzt bzw. mit einer zu kleinen Besetzung der Streicher gearbeitet. Diese wäre bei einem Live-Mitschnitt tolerabel ist bei einer Studio-Aufnahme jedoch ärgerlich. Hier hätte auch die Aufnahmeleitung eingreifen müssen.

Für eine Aufwertung des Gesamteindrucks sorgt der – wie immer – exzellente Booklet-Text mit detaillierten Höranweisungen von Bert Hagels, der ja bekanntermaßen ein weites Herz für vernachlässigte Werke der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat.

Thomas Baack [19.02.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Friedrich Witt
1Sinfonie Nr. 1 B-Dur 00:24:51
5Sinfonie Nr. 2 D-Dur 00:22:38
9Sinfonie Nr. 3 F-Dur 00:25:31

Interpreten der Einspielung

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