Die armenische, heute in Wien lebende Pianistin Nareh Arghamanyan huldigt der weiblichen Kreativität. Auf ihrem Album „Femmes de Légende“ präsentiert sie Klaviermusik von Komponistinnen aus drei Jahrhunderten: von der Barockkünstlerin Anna Bon di Venezia, die am Hof von Bayreuth wirkte, bis zu Ilse Fromm-Michaels, Moderne-Verfechterin in den 1920er Jahren. Rund die Hälfte der insgesamt 14 kreativen Damen stammt aus Frankreich. Seit jeher hatten es Frauen es dort leichter als hierzulande, in den Institutionen des Musiklebens Fuß zu fassen. Von einer Tradition, die bereits im Barockzeitalter Musikerinnen in der Kapelle des Königs kannte, profitierte auch Louise Farrenc, die Mitte des 19. Jahrhunderts eine beeindruckende Karriere hinlegte: als Pianistin, Komponistin und weltweit erste Frau auf einer Musikprofessur.
CDs der Woche der zurückliegenden Jahre:
German Romantic Organ Music
Mendelssohn, Reger, Reubke Ben van Oosten
MDG 916 2377-6
1 CD/SACD stereo/surround • 78min • 2025
05.01.2026 • 10 10 10
Ben van Oosten spielt romantisches Repertoire an der größten, nun wieder originalgetreu restaurierten romantischen Orgel Deutschlands. Besser geht's nicht - und katholischer auch nicht. Zum niederknien!
Mathis Rochat viola, Abigél Králik violin BBC National Orchestra of Wales, Howard Griffiths
Evil Penguin Classic EPRC 0072
1 CD • 59min • 2024
12.01.2026 • 9 10 9
Alle bisherigen Alben des französisch-schweizerischen Bratschisten Mathis Rochat, Jahrgang 1994, folgen bezüglich der Auswahl ihres Repertoires einer Art rotem Faden, und so verhält es sich auch bei seiner soeben erschienenen vierten CD. Der Fokus liegt diesmal auf britischer Musik für Viola und Orchester aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: das Violakonzert von William Walton, einer der Marksteine des Violarepertoires also, wird von zwei weniger bekannten Werken von Herbert Howells sowie Arthur Benjamin umrahmt. Rochat zur Seite steht dabei Howard Griffiths am Pult des BBC National Orchestra of Wales.
Die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm widmet dem bis dato so gut wie unbekannten Danziger Kirchenmusiker Johann Daniel Pucklitz (1705-1774) eine Gesamt-Edition seiner 62 erhaltenen Werke. Nachdem in früheren Jahren bereits sein Concerto Kehre wieder und sein Oratorio Secondo veröffentlicht wurden, setzt nun unter dem Gesamttitel „Opera Omnia“ eine systematische Einspielung seiner Kantaten und Messen ein. Initiator und Kopf des Unternehmens ist der 1974 in Danzig geborene Organist, Dirigent und Komponist Andrzej Szadejko, der mit dem von ihm 2008 gegründeten Goldberg Baroque Ensemble und dem in dieses integrierten Goldberg Vocal Ensemble konzertiert.
Marie-Sophie Pollak und das Concerto Köln unter Max Volbers geben in ihrem Album Bach vs. Scheibe eine klingende Erläuterung zu einer der wichtigsten musikästhetischen Kontroversen des deutschen Spätbarock, die spätere Diskussionen um U- und E-Musik bereits vorwegnimmt. Auslöser war, dass Johann Adolph Scheibe Johann Sebastian Bach 1737 in seiner in Hamburg erschienenen Zeitschrift „Der Critische Musikus“ für seinen überkomplexen Stil kritisiert hatte. Es ist nicht undenkbar, dass er damit die Einschätzung seiner hanseatischen Kollegen Telemann und Mattheson widerspiegelt.
Enjott Schneider will seine Filmmusiken „aus den Archiven raus und ins Konzertleben" bringen, wie er dem Deutschlandfunk verriet. Der Münchener Komponist, der in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden ist, lässt auf seinem neuen Album bei Solo Musica ausgewählte Werke aus drei Jahrzehnten als symphonische Suiten wiederauferstehen – und beweist damit, dass diese Musik auch ohne ihre ursprüngliche Filmfunktion überzeugt. Schneiders Filmmusiken wirken zeitlos, weil sie rein instrumental und physisch daherkommen. Das ist ein bewusster Gegenentwurf zu den elektronischen Klangteppichen zahlloser Produktionen, die unweigerlich den Zeitgeist ihrer Entstehung verraten und oft inflationär oder überholt wirken.
Über das Horn gibt es unter Musikern viele Witze, die meist die Tatsache betreffen, dass dieses Instrument in Symphonien oft lange Pausen hat und dann, wenn es spielen muss, kiekst. Diese CD entzieht allen diesbezüglichen Witzen den realen Boden: Hervé Joulain ist ein weltbekannter und -geschätzter Hornist. Geboren 1966, war er schon in jungen Jahren Solo-Hornist beim Orchestre philharmonique de Radio France, dann beim Orchestre nationale de France und derzeit bei der Filarmonica Toscanini in Parma, hat am Conservatoire de Paris gelehrt, gibt nun Meisterkurse in aller Welt und hat bereits über 20 CDs aufgenommen.
CompleteWorks for Piano Duo • II Genova & Dimitrov Piano Duo
OehmsClassics OC1741
1 CD • 75min • 2023
16.02.2026 • 9 10 10
Die erste Folge der Gesamtaufnahme aller Werke Claude Debussys für zwei Pianisten mit dem Genova & Dimitrov Piano Duo erntete zu Recht in allen Besprechungen höchstes Lob. Die Darbietungen der frühen und teils seltener gespielten Stücke darf man getrost als Referenzeinspielung einstufen. Vol. II enthält nun vor allem auch die beiden bekanntesten Kompositionen Debussys für Klavierduo, und da ist die Konkurrenz natürlich ungleich größer.
Il trionfo della Fama NovoCanto & La Stagione Armonica • Accademia Bizantina • Ottavio Dantone
cpo 555 725-2
2 CD • 82min • 2024
23.02.2026 • 10 10 10
Wer seinerzeit am Wiener Hof mit Johann Joseph Fux mithalten wollte, musste nicht nur Glanz ausstrahlen, sondern auch theoretisch sattelfest sein; schließlich war Fux nicht nur ein angesehener Komponist, sondern auch ein höchst respektierter Pädagoge der Satztechnik, dessen Hauptwerk „Gradus ad Parnassum“ noch heute studiert wird. Sein Nachfolger wurde 1713 der um gut 20 Jahre jüngere Florentiner Francesco Bartolomeo Conti (1682 – 1732), der als Theorbist begonnen hatte, aber schon als junger Mann mit Bühnenwerken und Kantaten an die Öffentlichkeit trat und auch die Aufmerksamkeit Johann Sebastian Bachs auf sich zog, der seine Kantate Languet anima mea bearbeitete.
Der 1985 in Innsbruck geborene österreichische Pianist und Organist Michael Schöch hat für seine neue CD Werke von Max Reger (1873–1916) ausgewählt, die dessen Verehrung für Johann Sebastian Bach besonders eindrucksvoll spiegeln. Das einzige Originalwerk des Albums ist zugleich das bedeutendste: Variationen und Fuge über ein Thema von J. S. Bach op. 81. Als Thema hat Reger das Oboenvorspiel der Arie „Sein‘ Allmacht zu ergründen“ aus der Himmelfahrtskantate BWV 128 gewählt, und daraus ein monumentales Klavierwerk entwickelt. Michal Schöch ist den hohen technischen und klanglichen Anforderungen der halbstündigen Komposition nicht nur gewachsen, es gelingt ihm auch, die enormen Spannungen nachzuzeichnen und dem Sinn des Werkes auf den Grund zu gehen.
Die Formation Solomon’s Knot hat sich einen Namen als Garant für unkonventionelle neue Zugänge zu Alter Musik gemacht. So hält sie es auch auf ihrer neuesten CD: hier kombiniert man eine der Kurzmessen von Johann Sebastian Bach, nämlich jene in F-Dur (BWV 233.2) mit dem ersten Brandenburgischen Konzert (BWV 1046.2) und der Kantate „Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd“ (BWV 208.1). Verbindende rote Fäden gibt es gleich mehrere: zum einen hat Bach in allen diesen Werken alte Werke recycelt, zum anderen spielt in allen diesen Werken das Horn eine besondere Rolle, was auch in durchaus launiger Weise im Booklet thematisiert wird.
Frauen als Muse | Women of Legend Nareh Arghamanyan Piano
hänssler CLASSIC HC25026
1 CD • 75min • 2023
16.03.2026 • 10 9 9
Die armenische, heute in Wien lebende Pianistin Nareh Arghamanyan huldigt der weiblichen Kreativität. Auf ihrem Album „Femmes de Légende“ präsentiert sie Klaviermusik von Komponistinnen aus drei Jahrhunderten: von der Barockkünstlerin Anna Bon di Venezia, die am Hof von Bayreuth wirkte, bis zu Ilse Fromm-Michaels, Moderne-Verfechterin in den 1920er Jahren. Rund die Hälfte der insgesamt 14 kreativen Damen stammt aus Frankreich. Seit jeher hatten es Frauen es dort leichter als hierzulande, in den Institutionen des Musiklebens Fuß zu fassen. Von einer Tradition, die bereits im Barockzeitalter Musikerinnen in der Kapelle des Königs kannte, profitierte auch Louise Farrenc, die Mitte des 19. Jahrhunderts eine beeindruckende Karriere hinlegte: als Pianistin, Komponistin und weltweit erste Frau auf einer Musikprofessur.