Marie-Sophie Pollak und das Concerto Köln unter Max Volbers geben in ihrem Album Bach vs. Scheibe eine klingende Erläuterung zu einer der wichtigsten musikästhetischen Kontroversen des deutschen Spätbarock, die spätere Diskussionen um U- und E-Musik bereits vorwegnimmt. Auslöser war, dass Johann Adolph Scheibe Johann Sebastian Bach 1737 in seiner in Hamburg erschienenen Zeitschrift „Der Critische Musikus“ für seinen überkomplexen Stil kritisiert hatte. Es ist nicht undenkbar, dass er damit die Einschätzung seiner hanseatischen Kollegen Telemann und Mattheson widerspiegelt.
CDs der Woche der zurückliegenden Jahre:
German Romantic Organ Music
Mendelssohn, Reger, Reubke Ben van Oosten
MDG 916 2377-6
1 CD/SACD stereo/surround • 78min • 2025
05.01.2026 • 10 10 10
Mit 122 Registern war sie einst die größte Orgel im Kaiserreich, nun, 117 Jahre nach ihrer Erbauung ist sie wieder komplett und originalgetreu restauriert worden: die große Seifert-Orgel der Marienbasilika im niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer. In der Saison ist das Instrument im Dauereisatz: mehrere Messen täglich, Andachten, Prozessionen, eben alles was ein so berühmter Wallfahrtsort zu bieten hat. Darüber hinaus verfügt das Instrument über eine schier unerschöpfliche Klangpalette, die von zartesten Pianissimo bis zum fulminanten Fortissimo und von der zart sägenden Gambe und ätherisch säuselnden Schwebungen bis hin zu donnernden Trompeten reicht: Wenn die Basilika voller inbrünstig singender Pilger ist, braucht es mitunter schon etwas mehr Nachdruck….. Keine Frage, hier vereinen sich Raum, Liturgie und Instrument zu einem großen Ganzen.
Mathis Rochat viola, Abigél Králik violin BBC National Orchestra of Wales, Howard Griffiths
Evil Penguin Classic EPRC 0072
1 CD • 59min • 2024
12.01.2026 • 9 10 9
Alle bisherigen Alben des französisch-schweizerischen Bratschisten Mathis Rochat, Jahrgang 1994, folgen bezüglich der Auswahl ihres Repertoires einer Art rotem Faden, und so verhält es sich auch bei seiner soeben erschienenen vierten CD. Der Fokus liegt diesmal auf britischer Musik für Viola und Orchester aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: das Violakonzert von William Walton, einer der Marksteine des Violarepertoires also, wird von zwei weniger bekannten Werken von Herbert Howells sowie Arthur Benjamin umrahmt. Rochat zur Seite steht dabei Howard Griffiths am Pult des BBC National Orchestra of Wales.
Die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm widmet dem bis dato so gut wie unbekannten Danziger Kirchenmusiker Johann Daniel Pucklitz (1705-1774) eine Gesamt-Edition seiner 62 erhaltenen Werke. Nachdem in früheren Jahren bereits sein Concerto Kehre wieder und sein Oratorio Secondo veröffentlicht wurden, setzt nun unter dem Gesamttitel „Opera Omnia“ eine systematische Einspielung seiner Kantaten und Messen ein. Initiator und Kopf des Unternehmens ist der 1974 in Danzig geborene Organist, Dirigent und Komponist Andrzej Szadejko, der mit dem von ihm 2008 gegründeten Goldberg Baroque Ensemble und dem in dieses integrierten Goldberg Vocal Ensemble konzertiert.
Marie-Sophie Pollak und das Concerto Köln unter Max Volbers geben in ihrem Album Bach vs. Scheibe eine klingende Erläuterung zu einer der wichtigsten musikästhetischen Kontroversen des deutschen Spätbarock, die spätere Diskussionen um U- und E-Musik bereits vorwegnimmt. Auslöser war, dass Johann Adolph Scheibe Johann Sebastian Bach 1737 in seiner in Hamburg erschienenen Zeitschrift „Der Critische Musikus“ für seinen überkomplexen Stil kritisiert hatte. Es ist nicht undenkbar, dass er damit die Einschätzung seiner hanseatischen Kollegen Telemann und Mattheson widerspiegelt.