Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CDs der Woche 2024

Das Münchner Barockensemble L’arpa festante bietet auf seiner neuesten Doppel-CD einen zweieinhalbstündigen Überblick über die zwischen 1670 und 1710 in der lutherischen Kirchenmusik beliebte Form der Choralkantate. Neben ein paar bekannteren Werken von Dieterich Buxtehude, Johann Pachelbel und J. S. Bach finden sich Ersteinspielungen von Komponisten wie Georg Österreich, Johann Samuel Welter, Emanuel Kegel und weiteren, deren Namen selbst Fachleute kaum mit konkreten Werken verbinden können.

CDs der Woche der zurückliegenden Jahre:

Krzysztof Meyer

works for violin and piano

eda records 049

1 CD • 64min • 2022, 2023

01.01.202410 10 10

Zu seinem 80. Geburtstag widmet Kolja Lessing dem Komponisten Krzysztof Meyer ein Portrait, in dessen Zentrum seine beiden Sonaten für Violine solo stehen. Da die beiden Werke im Abstand von mehr als vierzig Jahren entstanden, ergibt sich so gleichzeitig eine reizvolle Gegenüberstellung von (relativ) frühem und aktuellem Schaffen. Zusammen mit einigen Stücken mit Klavierbegleitung erhält man hier einen auch interpretatorisch exzellenten Eindruck von wesentlichen Charakteristika der Tonsprache Meyers und ihrer Entwicklung.

»zur Besprechung«

Johann Christoph Friedrich Bach

Works for Keyboard solo

Prospero Classical PROSP0074

1 CD • 80min • 2022

08.01.202410 10 10

Eine Lanze für Johann Christoph Friedrich Bach (1732-1795), den so genannten „Bückeburger Bach“ bricht Jermaine Sprosse auf einem sensationell klangschönen Fortepiano, einem Originalinstrument von ca. 1805, das sorgfältig aufgearbeitet wurde. Der „Bückeburger Bach“ wurde von seinem Bruder Wilhelm Friedemann als „stärkster Spieler“ unter den Söhnen J. S. Bachs bezeichnet; Jermaine Sprosse hat ein breites Programm zusammengestellt, dem er sich mit Kenntnis, Hingabe und virtuoser Meisterschaft widmet.

»zur Besprechung«

Winter Journeys

Lautten Compagney Berlin, Wolfgang Katschner

deutsche harmonia mundi 19439934032

1 CD • 1min • 2022

15.01.202410 10 10

Die Liederauswahl dieser CD mit dem Titel „Winter Journeys“, der natürlich an Schuberts Winterreise anklingt, ist zunächst irritierend, dann überraschend und schließlich doch schlüssig: Es ist eine wundersame Mischung aus Winter, Weihnachten und Sehnsucht nach Frühling und Liebe, aus Solo-Liedern und Chorgesängen, die fast alle aus der Renaissance und dem Frühbarock stammen: eine andere Art Weihnachten und eine andere Art Winterreise voller Herbheit und Süße.

»zur Besprechung«

Friedrich Gernsheim

String Quartets Vol. 2

cpo 555 468-2

1 CD • 60min • 2020, 2021

22.01.202410 10 10

Das Diogenes Quartett, das mich bereits durch seinen exzellenten Fesca-Zyklus beeindruckte, widmet sich in Vol. 2 seiner Aufnahme der Streichquartette von Friedrich Gernsheim (1839-1916) dessen letzten beiden wunderbaren Kammermusikkompositionen, dem 5. Streichquartett (1911) und dem 2. Streichquintett (1915) und erweitert so die Diskographie dieses lange unterschätzten Spätromantikers, dessen Werke zunehmend an Beachtung gewinnen.

»zur Besprechung«

Beethoven

Piano Sonatas
Marlo Thinnes

Telos Music TLS 256

2 CD • 2h 22min • 2022, 2023

29.01.202410 10 10

Marlo Thinnes entfacht im Kopf der Zuhörer bei Beethovens Klaviersonaten ein Feuerwerk an Emotionen und Assoziationen. Das kann durchaus mal ungemütlich klingen, wird aber der Kompromisslosigkeit des Komponisten derart gerecht, dass man die Fortsetzung dieser so eindrucksvoll begonnenen Gesamtaufnahme kaum abwarten kann.

»zur Besprechung«

Brahms • Viotti • Dvořák

Christian Tetzlaff • Tanja Tetzlaff • Paavo Järvi
In Memoriam Lars Vogt

Ondine ODE 1423-2

1 CD • 61min • 2022

05.02.202410 10 10

Die Widmung zu dieser bemerkenswerten CD lautet: “In Memoriam Lars Vogt” und sie ist dem dem Andenken des 2022 im Alter von 52 Jahren verstorbenen bedeutenden Pianisten gewidmet ist. Statt der üblichen Werkbeschreibung ist im Booklet ein langes, intensives Gespräch mit Tanja und Christian Tetzlaff abgedruckt, das Einblick gibt in die gemeinsame Arbeit mit Lars Vogt und über die Gründe, gerade das Doppelkonzert von Brahms, das letzte große Orchesterwerk des Komponisten, als Hauptstück für diese Gedenk-CD zu wählen.

»zur Besprechung«

Corellimania

OUR Recordings 6.220682

1 CD • 76min • 2022

12.02.202410 10 10

Der Beginn dieser CD wird von allen drei Interpreten gestaltet, dann dünnt die Besetzung aus und verschiedene Konstellationen werden durchgespielt, wie man ein Blas-, ein Streich- und ein Tasteninstrument miteinander kombinieren kann. Zum Ende hin wächst das Allstar-Trio wieder zur vollen Größe an und zu einer beeindruckenden Klangpracht. Denn mit Michala Petri, Hille Perl und Mahan Esfahani leben hier drei Barock-Menschen ihre „Corelli“-Leidenschaft aus („Corellimania“), die historisch informiertes Musizieren nicht mit Emotionslosigkeit und formelhafter Rhetorik verwechseln.

»zur Besprechung«

From Buxtehude to JS Bach

Choral Cantatas around 1700

cpo 555 456-2

2 CD • 2h 29min • 2020

19.02.202410 10 10

Das Münchner Barockensemble L’arpa festante bietet auf seiner neuesten Doppel-CD einen zweieinhalbstündigen Überblick über die zwischen 1670 und 1710 in der lutherischen Kirchenmusik beliebte Form der Choralkantate. Neben ein paar bekannteren Werken von Dieterich Buxtehude, Johann Pachelbel und J. S. Bach finden sich Ersteinspielungen von Komponisten wie Georg Österreich, Johann Samuel Welter, Emanuel Kegel und weiteren, deren Namen selbst Fachleute kaum mit konkreten Werken verbinden können.

»zur Besprechung«

A Tribute to Bach

Maurice Steger

Berlin Classics 0303072BC

1 CD • 77min • 2021

26.02.202410 10 10

Für Maurice Steger, den 1971 in Winterthur geborenen Flötisten, Dirigenten. Professor und Leiter einiger Festivals, hat Bach eindeutig zu wenig für Flöte komponiert – also hat er sich selber, zusammen mit seinem Cembalo-Freund Sebastian Wienand, einiges von Bach für Flöte arrangiert und auf dieser CD versammelt. „Bach wird durch Maurice Stegers Interpretation zum überzeugenden Blockflötisten“, rühmt der Musikwissenschaftler Bernhard Schrammek aus Berlin im recht ausführlichen Booklet, das alle Werke genau beschreibt.

»zur Besprechung«

Beethoven Widmann Brahms

malion quartett

Kaleidos KAL 6366-2

1 CD • 78min • 2023

04.03.202410 10 10

Welch eine gelungene Debüt-CD! Das Malion-Quartett betritt mit drei ausgefeilten Interpretationen die Klangbühne. Zudem wurde es von der Tontechnik hervorragend und in weiter Dynamik eingefangen. Da man sich mit unterschiedlichen Facetten präsentieren will, hat man die jeweils ersten Quartette dreier unterschiedlicher Komponisten gewählt und flankiert den Zeitgenossen Jörg Widmann mit den Klassikern Beethoven und Brahms.

»zur Besprechung«

Quatuor Arod

Debussy • Ravel • Attahir
String Quartets

Erato 5054197752308

1 CD+DVD • 78min • 2023

11.03.202410 10 10

Kaum je hat mich das Verfassen einer Rezension solche Skrupel gekostet wie bei diesem französischen Album des Quatuor Arod. Nicht aufgrund von etwas, was auszusetzen wäre, sondern in Anbetracht der phänomenalen Qualität. Vorweg: die Programmabfolge mit den französischen Klassikern von Debussy und Ravel als Rahmenwerken und dem 2017 entstandenen Streichquartett Al Asr (Tagesgebete) vom 1989 in Toulouse geborenen Benjamin Attahir (über den online erstaunlich wenig Substanzielles zu finden ist) im Zentrum ist dramaturgisch perfekt gewählt.

»zur Besprechung«

Johannes Brahms & Max Reger

Clarinet Quintets

MDG 903 2287-6

1 CD/SACD stereo/surround • 76min • 2022, 2023

18.03.202410 10 10

Die Klarinettenquintette von Johannes Brahms und Max Reger gehören wie das Klarinettenquintett Mozarts, das beiden Stücken in mancherlei Hinsicht Vorbild war, zu den letzten Arbeiten ihrer Komponisten. Im Falle Regers handelt es sich sogar um sein letztes vollendetes Werk überhaupt. Als Spätwerk im eigentlichen Sinne lässt sich freilich nur das Brahmssche Quintett op. 115 bezeichnen, stammt es doch von einem Komponisten, der sich bereits als Ruheständler gesehen hatte, bevor das überragende Spiel des Klarinettisten Richard Mühlfeld seine Schaffenskraft erneut anzufachen vermochte. Reger dagegen ist wie Mozart eines vorzeitigen, plötzlichen Todes gestorben. Dass ihm sein Quintett op. 146 zum „Spätwerk“ werden würde, konnte er nicht wissen.

»zur Besprechung«

Vox dilecti mei

The Voice of My Beloved
The Earliest Settings of the Song of Solomon (10th - 15th century)

Tacet S 270

1 CD/SACD stereo/surround • 67min • 2022

25.03.202410 10 10

Wenn man dieses ebenso schöne wie faszinierende Album mit mittelalterlichen Vertonungen des Hohenliedes im Zusammenhang hört, stellt sich ein fiktives Ganzes ein, das ein wenig an die spekulativen Rekonstruktionen von musikalischen Gottesdiensten, wie sie beispielsweise im Italien des 16. oder im Deutschland des 17. Jahrhunderts stattgefunden haben könnten, erinnert. Tatsächlich aber wäre eine Kompilation wie „Vox dilecti mei“ vor gut 1000 Jahren kaum möglich gewesen: Die einzelnen Werke stammen aus einem immensen Einzugsgebiet, das von Oberbayern über Frankreich, Italien und das alte Schlesien bis nach England, in einem besonders schillernden Fall sogar bis nach Island reicht.

»zur Besprechung«

Anzeige

Felix Mendelssohn Bartholdy

Mendelssohn Project | Vol. 4
String symphonies 8 – 10

MDG 912 2265-6

1 CD/SACD stereo/surround • 65min • 2021

01.04.202410 10 10

Und weiter geht’s mit dem „Mendelssohn Project“ des dogma chamber orchestra mit Mikhail Gurewitsch als Konzertmeister beim Label MDG Dabringhaus und Grimm. Die Sinfonias VIII – X sind es, die hier aufgenommen sind, die Sinfonien, bei denen man hören kann, wie der 13-jährige Felix sich das sinfonische Rüstzeug beschafft, wie er seine Vorbilder Bach, Haydn, Mozart und Beethoven studiert und sich an ihnen orientiert hat, wie er sich von ihnen inspirieren ließ – und wie er sich langsam von ihnen emanzipiert. Spannungsgeladene Einleitungen wie bei Haydn, komplexe Kontrapunktik wie bei Mozart und Rhythmik wie bei Beethoven vermischen sich hier zu etwas ganz Eigenem, Neuem.

»zur Besprechung«

Giovanni Battista Pergolesi

La serva Padrona • Livietta e Tracollo

cpo 555 622-2

2 CD • 1h 57min • 2023

08.04.202410 10 10

Zahlreiche Bühnenwerke hat Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736) in seinem kurzen Leben geschaffen, doch während seine abendfüllenden Opern nach seinem Tode der Vergessenheit anheimfielen und erst in unseren Tagen wieder den Weg auf die Bühne fanden, trat sein zweiteiliges Intermezzo La serva padrona einen bis heute anhaltenden Siegeszug auf allen Bühnen der Welt an. Entstanden war es als Pausenfüller zu der Opera seria Il prigionier superbo, die am 5. September 1733 ihre Premiere erlebte. Der überraschend große Erfolg des Zwischenspiels, in dem die Dienstmagd Serpina ihren Herrn Uberto mit List und Tücke zur Ehe drängt, ermutigte den Komponisten, im Folgejahr mit Livietta e Tracollo ein weiteres Exemplar der neuen Gattung zu schreiben.

»zur Besprechung«

telemann

trio sonatas & quartets
compagnia transalpina • andreas böhlen

Aeolus AE-10366

1 CD • 71min • 2022

15.04.202410 10 10

Eine vollständige Sammlung aller Triosonaten für Blockflöte, Oboe und Basso continuo zusammen mit den Quartetten für Blockflöte, Oboe, Violine und Basso continuo legt das Ensemble compagnia transalpina unter Führung des Flötisten Andreas Böhlen beim Label Aeolus vor: eine springlebendige Aufnahme. Bekanntlich ist Georg Philipp Telemann der wohl produktivste Barock-Komponist. Dabei hat er auch die Kammermusik reichlich bedacht, auch die Trio-Formation mit Blockflöte. Das dreisprachige Booklet zitiert den durchaus selbstbewussten Telemann dazu: „Aufs Triomachen legte ich mich hier insonderheit, und richtete es so ein, daß die zwote Partie die erste zu seyn schien, und der Baß in natürlicher Melodie, und in einer zu jenen nahe tretenden Harmonie, deren jeder Ton also, und nicht anders seyn konnte, einhergieng. Man wollte mir auch schmeicheln, daß ich hierin meine beste Krafft gezeiget hätte.“

»zur Besprechung«

Franz Benda

Sonatas and Capriccios

cpo 555 610-2

1 CD • 65min • 2022

22.04.202410 10 10

Dass von einem Musiker des 18. Jahrhundert heute noch Nachkommen desselben Namens musikalisch tätig sind, ist ungewöhnlich. Dieser Musiker des 18. Jahrhunderts ist Franz Benda: Geboren ist er 1709 in Böhmen, sang er als Kapellknabe in Prag und Dresden, wollte eigentlich den ehrsamen Beruf des Pfefferkuchenbäckers erlernen, wurde aber doch Geiger, ermöglicht durch ein Stipendium seines Herrn, eines Grafen Kleinau, aus dessen Dienst er aber nach Warschau verschwand, wo er kurze Zeit Mitglied der polnischen Hofkapelle war, bis er von Friedrich II. von Preußen in dessen Hofkapelle berufen wurde.

»zur Besprechung«

Bach

The Well-Tempered Clavier I
Alexandra Sostmann

Prospero Classical PROSP0075

2 CD • 1h 59min • 2023

29.04.202410 10 10

So oft Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ auch schon eingespielt worden ist – mit Alexandra Sostmanns kluger und zugleich lebendiger Aufnahme hört man diese so kluge und lebendige Musik wieder neu. Man hört, wie sie sich die Fugen- und Präludien-Kunst angeeignet und wie sie sich jeweils einen je eigenen Zugang verschafft hat. Und man hört, wie viele Gedanken sie sich über die Wahl des Instrumentes gemacht hat: Sie spielt den Steinway mit Gedanken an ein Clavichord.

»zur Besprechung«

Libertad

The Will to Freedom

Ars Produktion ARS 38 338

1 CD/SACD stereo/surround • 70min • 2023

06.05.202410 10 10

Die argentinische Flötistin Maria Cecilia Muñoz und ihre kanadische Klavierpartnerin Tiffany Butt haben die durch die Corona-Pandemie verfügten Einschränkungen genutzt, um ein Konzeptalbum zum Thema „Freiheit und Gefangenschaft“ zu entwickeln. Diese Unfreiheit kann entweder aus sozialen, politischen oder speziesistischen Zwängen resultieren und wird hier an zu dressierenden Singvögeln und komponierenden Frauen exemplifiziert. Da absolut hinreißend musiziert wird, kommen jedoch auch – gern über Konzeptalben spottende – „alte weiße Männer“, zu denen der Rezensent sich ohne jegliche Scham rechnet, voll auf ihre Kosten.

»zur Besprechung«

L' arte del virtuoso Vol. 3

Solo concertos

MDG 926 2301-6

1 CD/SACD stereo/surround • 76min • 2022

13.05.202410 10 10

Die Barockmusik ist voll von hochvirtuosen Solokonzerten für fast jedes damals bekannte Instrument. Vom Level der damaligen Musiker her liegt dies auch auf der Hand, denn im Gegensatz zur heutigen Zeit waren auch Orchesterwerke von den einzelnen Stimmen her häufig solistisch oder maximal doppelt besetzt – ein Pool von beispielsweise zehn ersten Violinen fand man in dieser Zeit nicht! Diese technisch anspruchsvollen Solokonzerte in der heutigen Zeit in dieser Mannigfaltigkeit wie dies damals üblich war, umzusetzen, fällt heute eher schwer. In der Regel muss man sich als Orchester die Solisten immer für viel Geld einkaufen. Ein Konzert oder eine Aufnahme mit mehr als nur einem Solisten zu gestalten, ist da schlicht unbezahlbar. Da ist es doch viel sinnvoller, gleich ein Orchester zu gründen, das sich aus Musikerinnen und Musikern zusammensetzt, die jeder für sich auch hervorragende Solisten sind.

»zur Besprechung«

Monk of Salzburg

Nicodemus Passion
A medieval adaption

Audax Records ADX11212

1 CD • 57min • 2023

20.05.202410 10 10

Wurde ein fünfter Evangelist namens Nikodemus entdeckt? Nein, so sensationell ist es dann doch nicht. Das Evangelium des Nikodemus gehört zu den wirkmächtigsten frühchristlichen Texten, die als sogenannten Apokryphen, nicht ins Neue Testament aufgenommen wurden. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung dreier Textkomplexe: den – fiktiven – Prozessakten des Pilatus, die Joseph von Arimathia und Nikodemus, die Jesus begruben, einen besonderen Stellenwert einräumen, die Auferstehungsberichte, wiederum mit Akzentuierung Josephs, und die ausführliche Darstellung der Höllenfahrt Jesu. Es inspirierte den Mönch von Salzburg zu einem neunstrophigen Lied, das Anne-Suse Enßle und Philipp Lamprecht mit instrumentalen Zwischenspielen zu einer mittelalterlichen Passion verarbeiteten.

»zur Besprechung«

Rolf Wallin

Five Seasons Whirld | Stride | Spirit

Ondine ODE 1429-2

1 CD • 76min • 2022, 2023

27.05.202410 10 10

Rolf Wallin (Jahrgang 1957) hat sich längst als einer der bedeutendsten lebenden Komponisten Norwegens etabliert. Nach Studien in Oslo prägten ihn später in den USA Größen wie Roger Reynolds und Vinko Globokar. Seine Musik nutzt einen ungewöhnlich breiten Erfahrungsschatz, der von flexiblen mathematischen Modellen (Chaostheorie) über Jazz- und Rockmusik bis hin zu fernöstlicher Mystik reicht. Für die drei hier vorgelegten konzertanten Werke konnten jeweils Weltklassesolisten gewonnen werden.

»zur Besprechung«

Anton Bruckner

Cut or Uncut? Symphony no. 7 in E major

Tacet 255

2 CD • 2h 07min • 2019

03.06.202410 10 10

Als ich am 3. August 1995 die große Ehre und Gelegenheit hatte, Sándor Végh in seinem Haus in Salzburg zu interviewen (es sollte sein letztes Interview sein), äußerte er sich sehr glücklich, dass das Spiel seines legendären Végh-Quartetts eine Nachfolge-Formation gefunden habe im Keller-Quartett: „Es wird weiterhin große Musik gemacht und Bartók verstanden.“ Primarius András Keller war ein musikalischer Ziehsohn seines großen Landsmanns, und er hat damals mit seinem Quartett wunderbare Aufnahmen u. a. von Bartók und Schubert für Erato gemacht. Nun hat sich András Keller schon lange dem Dirigieren zugewandt und für Tacet einen Bruckner-Zyklus begonnen, bei dem er sich mit seinem hervorragenden Concerto Budapest erfreulich viel Zeit lässt und mit klar strukturierten, fein empfundenen und das Drama der großen Form brillant entfaltenden und balancierenden Darbietungen heute als einer der besten Bruckner-Dirigenten dasteht, dessen Beispiel für den wachen Hörer so manchen Schnellproduzierer bloßstellt.

»zur Besprechung«

Mozart • Reger • Leitner

Klarinettenquintette
Simon Reitmaier • Auner Quartett

Gramola 99123

1 CD • 1h 28min • 2016, 2017

10.06.202410 10 10

Drei Klarinettenquintette stellt die vorliegende CD (mit einer Spieldauer von beinahe 88 Minuten geradezu sensationell prall gefüllt) einander gegenüber: Mozarts Quintett, das die Gattung faktisch etablierte, bildet sinnigerweise den Anfang, Max Regers Quintett, das in mancher Hinsicht auf Mozarts Werk Bezug nimmt und selbst ein Markstein des Repertoires ist, den Abschluss, und dazwischen findet man mit dem Quintett von Ernst Ludwig Leitner ein jüngeres Werk, das sich ebenfalls und noch wesentlich direkter auf Mozarts Quintett bezieht. Der junge österreichische Klarinettist Simon Reitmaier spielt diese Werke gemeinsam mit dem 2013 in Wien gegründeten Auner-Quartett.

»zur Besprechung«

Sergei Prokofiev

Romeo and Juliet, Suites

MDG 650 2290-2

1 CD • 77min • 1994, 1995

17.06.202410 10 10

Im vergangenen Jahr wäre der polnische Dirigent und Komponist Stanisław Skrowaczewski 100 Jahre alt geworden, und aus diesem Anlass hat MDG seine Aufnahme der drei Suiten aus Sergej Prokofjews Ballett Romeo und Julia mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (wie es zum Zeitpunkt der Einspielungen noch hieß) neu herausgebracht. Dabei handelt es sich um Aufnahmen aus den Jahren 1994/95, die ursprünglich beim Label Denon erschienen sind, das aber nunmehr nur noch auf dem asiatischen Markt aktiv ist und für den weltweiten Vertrieb ausgewählter Alben eine Kooperation mit MDG eingegangen ist.

»zur Besprechung«

Extase

Mario Häring

Berlin Classics 0303269BC

1 CD • 61min • 2022, 2023

24.06.202410 10 10

Das Cover dieser Einspielung des Pianisten Mario Häring ist ein echter Hingucker: ein grellbuntes Gesicht vor dunkelblauem Hintergrund, überwuchert von irisierenden Blumenmustern und einem markenten Schriftzug: Extase. Genau darum geht es auf dieser CD, die einen Spiegel dessen bieten, was sich Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts darunter vorgestellt haben. Doch kommt es bei einer CD ja zum Glück immer noch auf den Inhalt und weniger auf das äußere Erscheinungsbild an. Da sind zum einen die üblichen Verdächtigen, die vielen Pianisten zu diesem Thema einfallen würden: Franz Liszt, vertreten mit dem Mephisto-Walzer Nr. 1, Richard Wagner (Isoldes Liebestod) oder Claude Debussy (L’Isle joyeuse). Und natürlich Alexander Skriabin, der aber nicht mit seinem für Orchester konzipierten Poème de L’Extase vertreten ist (woher vermutlich aber trotzdem die im Deutschen laut Duden falsche Schreibweise mit „x“ übernommen wurde), sondern mit seiner nicht weniger ekstatischen Klaviersonate Nr. 5.

»zur Besprechung«

Nordic Journey

Volume XV • Baltic Sojourn
James H. Hicks

Pro Organo 7309

1 CD • 79min • 2023

01.07.202410 10 10

James D. Hicks ist auf seiner Reise durch die nordische Orgelmusik des 19. – 21. Jahrhunderts bereits bei der 15. Folge angekommen und www.klassik heute.de bekommt erstmalig die Gelegenheit auf diese hochinteressante Serie hinzuweisen. Nachdem er zuvor Skandinavien von Island im Westen bis Finnland im Osten durchquert hat, macht er nun im Baltikum Station und präsentiert teilweise nur im Manuskript vorliegende Werke estnischer, litauischer und lettischer Komponisten, bei denen es sich zumeist um Ersteinspielungen handeln dürfte. Beraten wurde er bei der Auswahl durch den Organisten der Universität Vilnius, Vidas Pinkevicius, dessen Website zur Orgelpädagogik einen Besuch lohnt und der mit seiner Suite nach litauischen Volksliedern auch als Komponist auf der CD vertreten ist.

»zur Besprechung«

Georg Philipp Telemann

Kantaten – Französischer Jahrgang Vol. 3

cpo 555 438-2

2 CD • 2h 09min • 2022

08.07.202410 10 10

Welch tollkühnes Unterfangen den kompletten Kantaten-Jahrgang für das Kirchenjahr 1714/15 mit 72 Einzelwerken von Georg Philipp Telemann aufzunehmen! Mittlerweile haben Felix Koch, die Gutenberg Soloists und sein hervorragender Neumeyer Consort mit Vol. 3 das erste gute Drittel geschafft und zusätzlich Orgelbearbeitungen von Choralmelodien zu kleinen Choralkantaten arrangiert. Auch dies ist durchaus hörenswert und könnte Anregung für kleine Gemeinden ohne die Möglichkeit, die großbesetzten Kantaten aufzuführen, bieten.

»zur Besprechung«

Dolente Partita

Madonne e Maddalena

Coviello Classics COV92310

1 CD • 57min • 2023

15.07.202410 10 10

Das 2020 gegründete Ensemble Musica getutscht, – über den putzigen Namen später – bestehend aus Bernhard Reichel (Theorbe und Leitung), Mechthild Karkow (Barockvioline), Claudius Kamp (Blockflöte und Dulzian) und Julius Lorscheider (Claviere) hat sich für sein CD-Debüt mit der Sopranistin Pia Davila, die bereits interessante Liedaufnahmen eingespielt hat, zusammengetan, um Kompositionen des italienischen Frühbarock zu präsentieren. Dabei kreisen die Vokalwerke um La Madonna und La Maddalena. Diese werden in Instrumentalwerke von Salamone Rossi und Girolamo Frescobaldi eingebettet.

»zur Besprechung«

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige