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Besprechung CD

Fritz Kauffmann

Piano Trios opp. 9 & 20
Mitteldeutsches Klaviertrio

cpo 555736-2

1 CD • 55min • 2025

12.01.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Eine cpo-CD, wie sie im Buche steht! Denn ohne dieses starke „Entdecker-Label“ und seine umtriebigen Macher hätten die Kammermusikfans dieser Welt wohl noch lange oder gar ewig auf die beiden hier zu hörenden Klaviertrios aus der Feder von Fritz Kauffmann (1855–1934) warten müssen. Fritz Kauffmann – nie gehört? Das ist keine Bildungslücke, denn diese zu ihrer Zeit hoch angesehene Musikerpersönlichkeit geriet nach ihrem Ableben so schnell und gründlich in Vergessenheit, dass sein jüngerer Dirigenten- und Komponistenkollege Hans Franke (1886–1971) Kauffmanns (einzige) Sinfonie (a-Moll, op. 18) ebenso dreist wie ungeschoren als sein eigenes Werk „verkaufen“ konnte. Überhaupt ist das Œuvre, das Kauffmann hinterließ, relativ klein (ca. 50 Werke) – aber wohl oho, wie man nach Anhören der beiden 1881 und 1887 entstandenen Klaviertrios op. 9 in c-Moll und op. 20 in Es-Dur konstatieren muss.

Eine letzte Bemerkung noch zur „Ausgrabung“ von Kauffmann: Dass ein Ensemble mit dem Namen Mitteldeutsches Klaviertrio – Kristin Hennenberg (Klavier), Andreas Hartmann (Violine), Susanne Raßbach (Cello) – sich der Musik seines „Landsmanns“ angenommen hat, passt ins (Hör-)Bild. Denn wie kaum eine Persönlichkeit vor ihm hat Fritz Kauffmann, der sein Kompositionshandwerk in Berlin bei Friedrich Kiel erlernte und später in Wien die Aufmerksamkeit von Brahms auf sich zog, das Musikleben von Magdeburg nachhaltig – und weit über die Stadtgrenzen hinaus – geprägt. Der Booklet-Text, den man sich angesichts der Novitäten an einigen Stellen etwas detaillierter gewünscht hätte, gibt darüber Auskunft.

Genialisches Frühwerk

Die beiden nicht mit einer Nummer versehenen Klaviertrios (ob er noch mehrere geschrieben hat, erfährt man im Booklet nicht) entstanden noch vor Kauffmanns Wirken in Magdeburg. 1889 übernahm er die Leitung der Magdeburger Gesellschaftskonzerte, 1923 wurde er der Vorsitzende des Musikpädagogischen Verbandes Magdeburg e.V. Das c-Moll Trio entstand noch zu Kauffmanns Wiener Zeit und es markiert laut Booklet den Studienabschluss des damals 26-jährigen Komponisten. Uraufgeführt wurde es aber wohl in Berlin (das Booklet macht darüber keine genauen Angaben), denn die dort einst publizierte Zeitschrift „Musik-Welt“ urteilte 1881 darüber: „Das Kaufmann’sche C-Moll-Trio ist ein in der Erfindung gefälliges und mit natürlichem Geschmack und Formtalent gearbeitetes Werk. (…). Allerdings erscheint eine besondere Individualität des Componisten noch nicht ausgeprägt.“ Beides ist richtig, wobei die hier vielleicht tatsächlich noch nicht voll ausgeprägte „Individualität des Componisten“ absolut kein Hindernis darstellt, dieses genialische Frühwerk nach dem ersten Hören dennoch sofort zu lieben. Denn es hat wirklich alles, was Ohr und Herz begehren: mitreißenden Schwung, Erfindungsgabe, packende Dramatik, wunderschöne Melodien und einen Charme, den „so“ nur stürmisch-drängende Frühwerke haben können. Das wirkt, bei aller klassischen Viersätzigkeit und Formentreue, nie akademisch, steif und „angelernt“, sondern im Gegenteil ungemein lebendig, frisch und trotz der (hier nie „düster“ daherkommenden) Tonart c-Moll mitunter sogar regelrecht spritzig. Dass seine vier Sätze – mit einem herrlichen Adagio an zweiter Stelle – rasch aufeinander folgen, passt zum Werk, das abbrennt wie ein Feuerwerk. Das ebenso feingliedrig nervöse wie kraftvoll zupackende und hoch inspirierte Spiel des Mitteldeutschen Klaviertrios treibt die Musik mit Verve nach vorne und macht seine vielen Schönheiten sinnfällig.

Magdeburger Meister

Das Klaviertrio in Es-Dur (über dessen Uraufführung wir im Booklet ebenfalls nichts erfahren), „wirkt, obwohl es in Form und Dimension op. 9 ähnelt, kompakter und noch schlüssiger“, heißt es ebendort. Auch das ist sicher richtig, aber (in meinen Ohren) nur die halbe Wahrheit. Denn mag dieses Werk auch reifer und „schlüssiger“ sein, so ist es doch zugleich auch etwas langweiliger, wobei die Betonung auf dem Wort „etwas“ liegt. Denn gut gearbeitet ist es allemal, auch hat es Erfindungsgabe und vielleicht sogar noch mehr schöne Melodien als sein früher entstandenes Pendant in c-Moll. Aber dessen genialischen Drive suche ich hier vergebens – bei aller Bewunderung für dieses hervorragend gearbeitete Werk in der zwar durchaus hörbaren, aber nie „sklavisch“ wirkenden Nachfolge von Johannes Brahms. Dass dieses spätere Trio bei aller „orchestralen Opulenz“ (Booklet) etwas „glatter“ wirkt als sein Vorgänger – sieht man einmal vom „Barcaruola. Allegretto grazoso“ überschriebenen zweiten Satz ab, dessen wehmütige Stimmung einem das Herz zusammenzieht, liegt ganz sicher nicht an den drei Musikern, die auch hier einen fantastischen Job machen.

Fazit: cpo und das Mitteldeutsche Klaviertrio haben mit den beiden Kauffmann-Trios echte wertvolle Kammermusik-Schätze geborgen, die sich auf der Höhe der Zeit bewegen und das Repertoire substanziell erweitern. Man kann nur hoffen, dass das Label seine Kauffmann-Reihe fortsetzen und noch mehr Werke des Magdeburger Meisters auf CD einspielen wird. Dass das Mitteldeutsche Klaviertrio nach „Abgabe“ dieser wahrhaft vorzeigbaren klingenden „Visitenkarte“ keine eigene Website hat, ist mir unverständlich.

Dr. Burkhard Schäfer [12.01.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Fritz Kauffmann
1Klaviertrio c-Moll op. 9 00:26:55
5Klaviertrio Es-Dur op. 20 00:28:05

Interpreten der Einspielung

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