L' Amour et la Mort
Henri Duparc • Richard Wagner
Hermine May mezzo-soprano • Manuel Lange piano
MDG 908 2378-6
1 CD/SACD stereo/surround • 60min • 2025
02.01.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Die Idee des Produzenten Werner Dabringhaus, die Lieder von Henri Duparc mit dem Titel „L’Amour et le Mort“ mit Wagners Wesendonck-Liedern auf einer CD seiner Reihe MDG Recital zusammenzuspannen, ist folgerichtig: Duparc war ein großer Wagner-Verehrer, fuhr 1870 zu Uraufführung von Wagners Walküre nach München und besuchte Wagner mehrmals in Bayreuth. Und Liebe und Tod, also L’Amour et le Mort, sind das wichtigste Begriffspaar für Wagners Tristan – der mit Isoldes Liebestod auch diese CD beendet. Die aus Rumänien stammende Mezzosopranistin Hermine May ist als erfahrene Wagner-Sängerin ebenfalls eine gute Wahl. Denn mit ihrer reinen, gutgeführten Stimme ohne dramatische Überhitzung, ohne Übersteuerung im Forte und mit gehaltvoller Tiefe verleiht sie den Liedern substantielle Klarheit. Manchmal allerdings zu viel Klarheit: Manchmal wünscht man sich für diese Stimme und diese Lieder einen Schuss hintergründige Morbidität, ein bisschen dämonisches Dunkelglühen, ein wenig vom mort parfumée wie im Gedicht Extase (Track 9), etwas wie der hier besungene sommeil doux comme la mort.
Sehnsuchtsvolle Schmerzlichkeit in liebessehnsüchtigen Worten
In den Piano-Passagen hat Mays Stimme etwas Zerbrechlich-Kostbares, Fragiles, ja Angstvolles, in den eher rezitativisch geprägten Passagen zeigt sie rhetorische Kraft, in liebessehnsüchtigen Worten eine sehnsuchtsvolle Schmerzlichkeit, so wie am Ende von Soupir, ( = Seufzer), (Track 7): In die letzten Gedichtworte „Toujour l’aimer“ legt sie all ihren nie zu stillenden Liebesschmerz. In Der Engel (Track 10) aus den Wesendock-Liedern wechselt sie blitzschnell ohne Stimmverlust vom starken Fort zum Piano, die Sonne, die „Glorie der düstren Welt“ in Schmerzen (Track 13), besingt sie mit schmerzlich-triumphierendem Strahlen und in Isoldens Liebestod (Track 15) holt sie alle Todeslust aus ihrer Stimme, endet aber wie mit einem Todeshauch.
Soghaft schwellende Klavierbegleitung
Spätestens jetzt aber muss man vom Pianisten sprechen: Manuel Lange ist ein Meister der Klavierbegleitung. Heller schallend und die Sängerin umwallend möchte man mit Wagners Worten beschreiben, wie er in Isoldens Liebestod soghaft schwellend die Sängerin geradezu umspült und sie in den Tod hineinspült, tonwellend und -wogend, Liszts Klavierarrangement in allen Klangfacetten ausleuchtend. Die Lieder begleitet er in völligem Einklang mit der Sängerin, darin auch von der exzeptionellen Tonregie unterstützt, die beide, Sängerin und Pianist, in völliger Balance hält. Leise rauschend oder kraftvoll aufwallend, leidenschaftlich brodelnd und leidenschaftlich überschießend: alles beherrscht Manuel Lange glänzend. Die feinen harmonischen Reize der Duparc-Lieder kostet er genüsslich aus, parfümiert seinen exquisiten Klavierklang in schwüler Treibhausatmosphäre und bringt die Tristan-Harmonik in den Wesendonck-Liedern zum Glühen. Fast ein eigenes Klavierstück ist das Nachspiel zu Phidylé mit dem emphatischen Non-Akkord, dessen Energie sich in ein langes, allmählich diminuierendes Nachspiel verströmt in der lässig-weichen Gesamtstimmung wie in Debussys L’apres-midi d’un Faune (so schön beschreibt es Werner Oehlmann). Manuel Lange gelingt das Kunststück, in seinem Spiel völlige Klangklarheit und verrätselte Vieldeutigkeit miteinander zu verschränken.
Bei alledem verschlägt es wenig, sei aber vermerkt, dass die Tracks 1 und 2 vertauscht sind.
Rainer W. Janka [02.01.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Henri Duparc | ||
| 1 | La vie antérieure | 00:04:13 |
| 2 | L' invitation au voyage | 00:04:13 |
| 3 | Testament | 00:03:19 |
| 4 | Chanson triste | 00:03:35 |
| 5 | Le Manoir de Rosemonde | 00:02:45 |
| 6 | Phidylé | 00:05:20 |
| 7 | Soupir | 00:03:22 |
| 8 | Elégie | 00:03:06 |
| 9 | Extase | 00:03:01 |
| Richard Wagner | ||
| 10 | Der Engel (aus: Wesendonck-Lieder) | 00:03:10 |
| 11 | Stehe still! (aus: Wesendonck-Lieder) | 00:03:53 |
| 12 | Im Treibhaus (aus: Wesendonck-Lieder) | 00:05:43 |
| 13 | Schmerzen (aus: Wesendonck-Lieder) | 00:02:31 |
| 14 | Träume (aus: Wesendonck-Lieder) | 00:05:11 |
| 15 | Tristan und Isolde (Isoldes Liebestod, Bearb. für Klavier mit Vokalpart) | 00:06:28 |
Interpreten der Einspielung
- Hermine May (Mezzosopran)
- Manuel Lange (Klavier)
