Seelenfrieden
Buxtehude Hammerschmidt Krieger Rosenmüller Schütz Theile
Martin Platz
Prospero Classical PROSP0137
1 CD • 74min • 2025
11.02.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Was hat das frühe 17. Jahrhundert mit unserer Zeit zu tun? Sehr viel, meinen die Produzenten und Ausführenden dieses Recitals: „Wenn die Welt in Aufruhr ist, bekommen Sehnsüchte nach innerer Einkehr eine existentielle Dringlichkeit.“ Kriege, wirtschaftliche Turbulenzen, Seuchen, Aberglauben bzw. Verschwörungstheorien damals wie heute. Wie schottet man sich dagegen ab? In der Barock-Ära war das Vertrauen in Gott eine sichere Bank. Dass uns die Musik aus dieser Zeit auch heute noch etwas zu sagen hat, versuchen der Tenor Martin Platz und die Berliner lautten compagney zu beweisen.
Glaube und Zuversicht
Die zentrale Figur auf dieser musikalischen Suche nach dem inneren Frieden ist hier der Nürnberger Kapellmeister und Komponist Johann Philipp Krieger (1649-1725), der entsprechend mit vier Titeln vertreten ist. 1697 gab er eine Sammlung geistlicher Konzerte unter dem programmatischen Titel Musicalischer Seelen-Friede heraus, deren Texte auf biblische Quellen zurückgehen. Der einleitende Psalm 31 (Herr, auf dich traue ich) zeigt die Richtung an, im Psalm 27 (Der Herr ist mein Licht und mein Heil) schließt sich der Kreis. Dazwischen kommen Kriegers Zeitgenossen mit ihren durchweg von Zuversicht geprägten Beiträgen zum Thema zu Wort, neben den anerkannten Barockgrößen Heinrich Schütz und Dietrich Buxtehude auch die heute weniger bekannten Kleinmeister Andreas Hammerschmidt und Johann Theile. Die Welt erscheint nur in einem einzigen Fall als Jammertal (ein gängiger Topos im Barock), nämlich in Welt ade, ich bin dein müde von Johannes Rosenmüller, der zu Kriegers Lehrern gehörte. Ansonsten überwiegen Glaube und Hoffnung, das sich In-Gott-Geborgen-Fühlen.
Kaleidoskop der Stile
Bei Krieger ist eine heitere Grundstimmung auszumachen. Sein Studienaufenthalt in Italien, wo er mit vielen bedeutenden Kollegen, auch mit der Operngröße Francesco Cavalli, bekannt wurde, blieb nicht ohne Folgen für seinen Kompositionsstil. In den Psalmen-Vertonungen lässt der Wechsel von rezitativischen und ariosen Passagen an eine Nebenform von Musiktheater denken. Tänzerisch-beschwingt, fast südländisch-sinnenfroh erscheint seine mehrteilige Sonate à 4. Bei Dietrich Buxtehude und Heinrich Schütz führt der instrumentale Teil in Vor- und Zwischenspielen ein größeres Eigenleben gegenüber dem Text, besonders in den Symphoniae sacrae des Letztgenannten, die von religiöser Inbrunst zeugen. Die Vielfalt der stilistischen Möglichkeiten der hier vertretenen Komponisten vermittelt „eine Art Kaleidoskop des bildhaften Musizierens im 17. Jahrhundert“ (Oliver Geisler im booklet).
Anspruch erfüllt
Sänger wie Musiker setzen diesen Anspruch überzeugend um. Von dem derzeit am Staatstheater Nürnberg engagierten, im Oratorienfach schon mehrfach ausgewiesenen Tenor Martin Platz wird man zweifellos bald noch mehr hören. Seine schlanke, helle Stimme hat eine seraphische Qualität, klingt dabei aber durchaus viril. Mühelos meistert er die Koloraturen. Sein beredter Vortrag entspricht dem pulsierenden Spiel der lautten compagney unter Wolfgang Katschner, die zwar historisch informiert, aber nie historisierend musiziert und die klangsinnlichen Möglichkeiten der Partituren voll ausschöpft. Da kommt durchweg Freude auf, und das selbst gestellte Ziel der Künstler, die Hörer durch Musik dem Seelenfrieden näher zu bringen, wird dabei durchaus erreicht.
Ekkehard Pluta [11.02.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Johann Philipp Krieger | ||
| 1 | Herr, auf dich traue ich (Psalm 31, aus Musicalischer Seelen-Friede) | 00:11:46 |
| Andreas Hammerschmidt | ||
| 2 | Sei nun wieder zufrieden, meine Seele (1638) | 00:02:00 |
| Dietrich Buxtehude | ||
| 3 | O Gottes Stadt BuxWV 87 | 00:09:13 |
| Johann Rosenmüller | ||
| 4 | Sonata Settima d-Moll für 2 Violinen, Viola und Basso continuo | 00:06:41 |
| 5 | Welt ade, ich bin dein müde | 00:03:26 |
| Heinrich Schütz | ||
| 6 | Erbarm dich mein, o Herre Gott SWV 447 (aus Symphoniae Sacrae II) | 00:04:02 |
| 7 | Ich werde nicht sterben SWV 346 | 00:04:29 |
| Johann Philipp Krieger | ||
| 8 | Sonata à 4 | 00:09:40 |
| 9 | Benedicam Dominum (Psalm 34) | 00:08:43 |
| Johann Theile | ||
| 10 | Ach, daß ich hören sollte | 00:06:29 |
| Johann Philipp Krieger | ||
| 11 | Der Herr ist mein Licht und mein Heil (Psalm 27) | 00:07:16 |
Interpreten der Einspielung
- Martin Platz (Tenor)
- Lautten Compagney Berlin (Ensemble)
- Wolfgang Katschner (Leitung)
