Der deutsche Schlagzeuger Peter Sadlo gilt international bis heute als einer der herausragendsten Percussionist, der dem Schlagzeug im klassischen Symphonieorchester weit über den Einsatz als „Bassfundament“ eine neue, eigenständige Bedeutung als Orchester- und Solo-Instrumentarium verliehen hat und die Weiterentwicklung und Erweiterung des Einsatzgebietes im klassischen Instrumentarium entscheidend mitgeprägt hat. Er wurde am 28. April 1962 in Zirndorf geboren. „Eine Nachbarin hat alles ausgelöst“, erinnert er sich. „Sie hat mich beobachtet, wie ich als Fünfjähriger auf meine Spielzeugtrommeln einschlug.“ Die Besitzerin eines Tante-Emma-Ladens in Zirndorf (in der Nähe von Nürnberg), der Heimat Sadlos, glaubt, eine Begabung erkannt zu haben und meldet den kleinen Peter kurzerhand beim örtlichen Spielmannszug an – ohne Wissen von Sadlos Eltern. Bald sind die Provinz-Musiker vom außergewöhnlichen Talent des Kindes überzeugt, von seinem Rhythmusgefühl und seiner extrem raschen Auffassungsgabe. Kurze Zeit später erhält der junge Sadlo Privatunterricht. Im Alter von zwölf Jahren ist er Gaststudent am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg, zwei Jahre später musiziert er im Bayerischen Landesjugendorchester.
Dann folgte die erste wegweisende Begegnung im Leben des Trommel-Talents: Der Wechsel an die Musikhochschule Würzburg, wo Sadlo auf den damaligen Doyen der deutschen Schlagzeugkunst trifft, auf Siegfried Fink. Der fördert ihn nach Kräften, und so fällt das Meisterklassen-Diplom auch dementsprechend gut aus. 1982, Peter Sadlo ist gerade zwanzig Jahre alt, folgt seine Berufung zum Solopauker bei den Münchner Philharmonikern. Und hier begegnet Peter Sadlo zum zweiten Mal einem Meister, der seinen weiteren Weg entscheidend mitbestimmen wird: Sergiu Celibidache, der charismatische Chefdirigent der Philharmoniker, der im August 1996 verstorben ist. Doch zunächst sieht es nicht so aus, als ob Sadlo so richtig warm werden kann mit seinem neuen Chef: „Nachdem Celi mich etwa drei Jahre lang beschimpft hatte, wurden wir wirklich Freunde. Zur Hochzeit schenkte er mir dann einen wertvollen Bauernschrank.“ Musikalisch verstehen sich Sadlo und Celi hervorragend: „Celibidache war mein Star. Für mich war er der Grund, im Orchester zu spielen. Er hat mich sehr beeinflußt, meine Musikästhetik, meine klanglichen Vorstellungen. Die Fähigkeit zuzuhören, habe ich von ihm erst richtig erlernt. Musik ist mehr als einfaches Material. Es geht nicht nur darum, laut oder leise zu spielen. Und wenn Celi sich mit anderen Menschen beschäftigte, dann war er stets mit ganzer Seele dabei.“
Aber nicht nur Sergiu Celibidache ist einer der großen „Alten“, unter denen Peter Sadlo musiziert hat. Herbert von Karajan oder Leonard Bernstein sind Meilensteine in Sadlos Lebensweg gewesen: „Die alte Generation, das war eine andere Welt. Diese Dirigenten hatten noch Zeit, Musikstücke entstehen zu lassen. Heute ist alles viel sportiver. Solche Patrone wie Celi oder Bernstein gibt es nicht mehr. Die Dirigenten, die jetzt auf dem Markt sind, haben einen anderen Bezug zum Orchester. Sie sehen es nur als Klangkörper, der zu funktionieren hat.“ Ist das der Grund, warum sich Peter Sadlo nach der Saison 1996/97 von den Münchner Philharmonikern getrennt hat? „Daß die Ära Celibidache vorbei ist, war natürlich für die Wahl des Zeitpunktes der Trennung von den Philharmonikern von großer Bedeutung. Ich kann mir nicht vorstellen, daß unter dem neuen, designierten Chefdirigenten James Levine der Dienstbetrieb so locker sein wird wie unter Celi. Ich befürchte sogar, daß die Atmosphäre kühler werden wird. James Levine halte ich nicht für die optimale Lösung. Denn wichtig wäre vor allem, daß der neue Chef ausschließlich für die Philharmoniker da sein sollte.“
Aber der Tod Celibidaches und damit das Ende einer Ära bei den Münchner Philharmonikern ist für Peter Sadlo nicht der einzige ausschlaggebende Grund gewesen, den Posten des Solopaukers beim Münchner Renommierorchester aufzugeben. „Ich glaube, es war für mich an der Zeit, die eigenen Interessen stärker zu verfolgen. Ich will in Zukunft die solistische Arbeit wesentlich mehr ausbauen, will neue Werke kennenlernen, will auch selbst komponieren und arrangieren. Die Termine außerhalb des Orchesters wurden immer häufiger, sie waren allein von der Anzahl her nicht mehr mit dem Programm der Philharmoniker zu vereinbaren.“
Neben der reinen Interpreten-Karriere will Peter Sadlo sein Können und seine Erfahrung an die junge Generation weitergeben. Seit 1983 unterrichtet er an der Münchner Musikhochschule, als 28jähriger wird er zum Professor am Salzburger Mozarteum berufen. Im Herbst des Jahres 1997 promovierte er an der Universität Bukarest zum Doktor der Musikwissenschaft. Des Weiteren betätigte er sich aktiv in der Entwicklung neuer Instrumente und kreierte eine eigene Schlägelserie. Von 2007 bis 2010 war er als Nachfolger von Gidon Kremer der Künstlerische Leiter des Basler Festivals „Les muséiques“ und gleichzeitig auch der künstlerische Berater der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau des Bezirks Oberfranken in Lichtenberg. Dort gab er seit 1989 selbst Meisterkurse für Schlagzeug und war Begründer der Konzertreihe Haus Marteau auf Reisen. Peter Sadlo starb im Alter von 54 Jahren an den Folgen einer Nierenoperation in einem Münchner Krankenhaus.
Das vollständige Porträt von Dr. Peter Baier bei Klassik Heute aus dem Jahre 1998 ist unter folgendem Link nachzulesen:
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