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ARD-Musikwettbewerb

FFFfFF- Freitäglich-Fröhliche Frühromantik fürs Fagott

Finale

Für das „große Finale“ hatten die Probanden die Auswahl zwischen dem sonst auch gern im Semifinale geforderten Mozart-Konzert und einem der beiden größer dimensionierten Konzerte von Carl Maria von Weber oder Johann Nepomuk Hummel. Letztere weisen beide einen Mozart-Bezug auf: Hummel war Schüler des Salzburgers, Weber bekanntermaßen ein Vetter von dessen Frau Constanze.

Das Fagott, ein Sensibelchen

Weniger bekannt sind jedoch die Tücken des Instruments., dem von allen Holzblasinstrumenten die komplizierteste Griffweise zueigen ist. Im Umfang ist es mit fast vier Oktaven der Klarinette vergleichbar. Seine Grundskala liegt auf F wurde aber mit Klappen für beide Daumen bis zum Kontra-B nach unten erweitert, sodass jeder Daumen vier zusätzliche Klappen zu bedienen hat. 7 dieses Klappen-Oktetts dienen der Erweiterung des Umfangs nach unten, die 8. als Oktavklappe der Erleichterung des Überblasens in höhere Oktaven, was den Fingersatz nicht eben intuitiv macht. Auch erfordern schnelle Staccato-Passagen, wie sie in den Konzerten gehäuft auftreten, eine extreme Beweglichkeit des einfachen Zungenstoßes, da Doppel- und Tripelzunge anders als auf Flöten- und Blechblasinstrumenten auf Doppelrohrblattinstrumenten bei der Verwendung schwererer Rohrblätter nur mangelhaft ansprechen und das „Rohr“ – wie Oboisten und Fagottisten zu sagen pflegen – im hinteren Zungenbereich für Schnittverletzungen sorgen könnte. Zudem erfordert das Rohr handwerkliches Geschick, da jeder Profi die beiden einzelnen Blätter aus Schilf zurechtschneiden, dünn schleifen, formen und sie schließlich mit Draht auf einer Hülse festklemmen muss. Witterungsumschwünge werden von diesen, den eigentlichen Ton erzeugenden Sorgenkindern grundsätzlich übelgenommen.

Bereits in Amt und Würden

Alle drei Finalisten haben bereits ihre Orchesterstellen gefunden. Laure Thomas spielt an der Pariser Oper und im ORF-Orchester, Enrico Bassi ist Solo-Fagottist des NDR Elbphilharmonie Orchesters in Hamburg und Jappe Dendievel ist im Probejahr als Solo-Fagottist bei der Deutschen Kammerphilharmonie in Bremen

Einmal Hummel, zweimal Weber

Laure Thomas (Frankreich) eröffnete den Konzertreigen mit dem Weber-Konzert. Dabei hatte sie es mit ihrem französischen Buffet-Crampon-Modell und einem wohl nicht unbedingt optimalen „Rohr“ schwer, das ungewohnt laut und nachlässig agierende Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu inspirieren. Offensichtlich nahm dieses Weltklasse-Orchester die unpräzise und eher rund schlagende junge israelische Dirigentin Bar Avni nicht sonderlich ernst. Immerhin sicherte das saubere Spiel der sympathischen Französin den 3. Preis

Weitaus klüger agierte Enrico Bassi (Italien), indem er die alte Solisten-Regel des „wenn der Dirigent nichts taugt, halte engen Kontakt zum Konzertmeister“ befolgte. Er präsentierte das wesentlich anspruchsvollere Hummel-Konzert mit großem, markigem Ton und stupender Geläufigkeit. Ja, er konnte es sich sogar noch erlauben, die eh schon kniffligen Solopassagen mit noch kniffligeren Varianten zu bereichern. Für einen Lacher sorgte er, als er in seine große Kadenz des Mittelsatzes ein Zitat der Szene am Bach aus Beethovens Pastorale einschmuggelte und mit einem langen Triller den Oboisten per Blickkontakt animierte, spontan dazu die „Wachtel“ zu spielen. Aufgrund der von ihm gesetzten starken Impulse agierte das Orchester wesentlich umsichtiger. Das hat völlig zu Recht den 1. Preis verdient und ich nehme meine Verwunderung über seine Nominierung fürs Finale mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück!

Auch Jappe Dendievel wusste, dass es besser wäre, die Dirigentin links liegen zu lassen und konzentrierte sich im Weber-Konzert von vornherein auf den Konzertmeister. Ihm gelang eine sehr poetische, lyrische Interpretation. Er konnte sich mit seinem Heckel-Modell auch gegenüber dem Orchester gut – wenngleich nicht so strahlend wie Bassi - behaupten. und erspielte sich einen hochverdienten 2. Preis

Fazit: Die Verantwortlichen täten gut daran, die Dirigenten der Finali nach ihren Fähigkeiten im Begleiten von Solisten auszuwählen. Eine derartige Unfähigkeit in der Antizipation und dem Abfangen solistischer Rubati bräuchte es kein weiteres Mal, da es die Wettbewerbssituation definitiv verzerrt. 

Thomas Baack (12.09.2026)

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