Kaum ein anderer Pianist öffnet Ohren und Herzen für die Musik unserer Zeit so nachhaltig wie Pierre-Laurent Aimard – und kaum einer hat so intensiv mit vielen komponierenden Zeitgenossen zusammen gearbeitet. Olivier Messiaen, Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen, György Kurtág, György Ligeti, Marco Stroppa und viele andere gehören zu seinen Wegbegleitern und Künstlerfreunden. Der 1957 in Lyon geborene Pianist ist eine internationale Schlüsselfigur im Musikleben unserer Zeit und der führende Interpret zeitgenössischer Klaviermusik. Bereits als 15-Jähriger war er der erste Gewinner des internationalen Wettbewerbs „Olivier Messiaen“. Aimards Lehrer waren alle von Leidenschaft für die Neue Musik erfüllt. Nachdem schon seine Lehrerin aus Kindheitstagen, Geneviève Lièvre, begeisterte Anhängerin der Darmstädter Ferienkurse und insbesondere von Boulez war, studierte er später bei Yvonne Loriod, der Frau Olivier Messiaens, und Marcia Curcio in Paris. Im Alter von nur neunzehn Jahren wurde er durch Pierre Boulez 1976 zum ersten Solopianisten des neugegründeten Ensemble interContemporain berufen. Das Ensemble mit seinen vielfältigen Aufgaben bot ihm damals den idealen Rahmen, um sein schon früh gewecktes Interesse an zeitgenössischer Musik zu befeuern. Künstlerisch gereift verließ er 1995 das Ensemble, um eine Solokarriere und eigene Projekte zu verfolgen. Nach und nach widmete er dem kanonischen Klavierrepertoire der vergangenen Jahrhunderte bis hin zu Bachs Musik für Tasteninstrumente immer mehr Aufmerksamkeit. Die zeitgenössische Musik blieb jedoch stets zentraler Bestandteil seines Repertoires. Dementsprechend sieht er es als eine seiner Aufgaben an, junge Komponisten zu fördern und deren Werke aufzuführen. Er war sowohl Interpret als auch Weggefährte zahlreicher Größen der Neuen Musik wie Pierre Boulez, Olivier Messiaen, Karlheinz Stockhausen, György Kurtág und György Ligeti. Die Zahl der durch ihn uraufgeführten Werke von Elliott Carter über George Benjamin, Harrison Birtwistle bis hin zu Marco Stroppa und Tristan Murail sowie der ihm gewidmeten Werke lassen erahnen, welch enorme Bedeutung er für die Musik der jüngsten Zeit hat. Für Ligeti war er gar „der beste Pianist“, der seine Musik besser kenne als er selbst. Seit Mitte der 90er Jahre initiiert Aimard außergewöhnliche Projekte, wie beispielsweise Konzert-Lesungen oder Doppelkonzerte mit Werken moderner und klassischer Komponisten, um die Kluft zwischen Publikum und zeitgenössischer Musik zu überwinden. Darüber hinaus verzichtet der Musiker nicht auf ein breites traditionelles Repertoire, das er als Solist oder auch Kammermusiker spielt. Seit 1997 lehrt Pierre-Laurent Aimard unter anderem an der Hochschule für Musik Köln. 2006 wurde ihm der Preis der Kulturstiftung Dortmund verliehen, 2017 erhielt er den Ernst von Siemens Musikpreis. Sein Credo lautet: „Reflektieren, oder besser gesagt interpretieren bedeutet für mich, sowohl der Musik von gestern als auch der von heute zu dienen“.
»Pierre-Laurent Aimard: Biographie und Einspielungen«
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