Der 22. September 2018 ist der 100. Geburtstag eines äußerst vielseitigen Künstlers: Henryk Szeryng war Geiger, Violinpädagoge, Herausgeber, Komponist und Diplomat und sprach nebenbei acht Sprachen. So umfangreich wie seine Sprachkenntnisse waren, so umfangreich war auch sein Repertoire: Die bedeutendsten Violinkonzerte und Violinsonaten von Bach bis Paganini inklusive natürlich der Bachschen Solosonaten und Partiten hat er nicht nur in Konzerten aufgeführt, sondern auch in zahlreichen Plattenaufnahmen festgehalten. Für seine Interpretationen erhielt er 1959 den Grand Prix du Disque und 1975 und 1976 je einen Grammy. Seine Einspielungen der Bach-Partiten gelten heute noch als maßstabsetzend. Seine Mutter erteilte ihm den ersten Klavierunterricht, doch er griff bald lieber zur Geige. Auf Empfehlung von Bronisław Huberman konnte Szeryng von 1928 bis 1932 eine Ausbildung in Berlin bei Carl Flesch absolvieren. 1933 debütierte er als Solist, setzte sein Studium aber bis 1939 bei Nadia Boulanger in Paris im Fach Komposition noch fort. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges meldete sich Szeryng als Freiwilliger bei der polnischen Armee und fungierte aufgrund seiner Sprachkenntnisse vielfach als Dolmetscher. Vor den alliierten Truppen gab er weltweit über 300 Wohltätigkeitskonzerte. Bei einer Mission nach Mexiko 1941, bei der er ein neues Zuhause für über 4000 polnisch-jüdische Flüchtlinge suchte, entschloss er sich, in Mexiko zu bleiben. 1945 nahm er das Angebot an, die Leitung der Streicherabteilung der Universität Mexiko zu übernehmen, 1946 wurde er mexikanischer Staatsbürger. Seine Konzerttätigkeit nahm er erst 1954 auf Drängen von Arthur Rubinstein wieder auf, die er bis zu seinem Tod beibehielt. Während einer Konzerttournee mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken 1988 erlitt er in der Nacht vom 1. auf den 2. März eine Gehirnblutung und fiel in ein Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Henrik Szeryng starb am 3. März in Kassel.
»Henryk Szeryng: Biographie und Einspielungen«
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